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Tischlein deck dich (BRD, 1956, R: Fritz Genschow): Peter (Wolfgang Draeger, 2. v. r.) erhält ein Zaubertischlein zum Lohn von seinem Meister / © Medienproduktion und Vertrieb Genschow

Märchenhafte Drehorte: Wo das Tischlein deck dich steht

Wer träumt nicht von einem sorgenfreien Leben: Im Märchenfilm vom „Tischlein deck dich, Esel streck dich, Knüppel aus dem Sack“ wird gezeigt, wie das aussehen könnte – und an welchen (Dreh-)Orten die dafür nötigen Wunderdinge zu finden sind.

Ein unscheinbares Tischchen, das sich selbst „mit einem saubern Tüchlein […] und Gesottenem und Gebratenem“ deckt. Ein gewöhnlicher Esel, der pure Goldstücke speit. Und ein Knüppel, welcher „lustig auf dem Rücken“ der Leute herumtanzt, „dass sie sich acht Tage lang nicht regen und bewegen können“. Doch erst beim Aussprechen einer bestimmten festgelegten Formel zeigen diese drei wunderbaren, übernatürlichen Dinge ihre Zauberkraft im Märchen vom „Tischchendeckdich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack“.

Tischlein deck dich (D, 2008, R: Ulrich König): Die drei Brüder Jockel (Christian Polito, v. l. n. r.), Emil (Franz-Xaver Brückner) und Max (Remo Schulze) gehen in einer ARD-Verfilmung des Märchens auf Wanderschaft / © WDR/Hardy Spitz

Tischlein deck dich (D, 2008, R: Ulrich König): Die drei Brüder Jockel (Christian Polito, v. l. n. r.), Emil (Franz-Xaver Brückner) und Max (Remo Schulze) gehen in einer ARD-Verfilmung des Märchens auf Wanderschaft / © WDR/Hardy Spitz


Die Grimm’sche Geschichte, die bereits 1812 in der Erstauflage der „Kinder- und Hausmärchen“ erscheint, wird 1845 von Ludwig Bechstein bearbeitet und leicht verändert als „Tischlein deck dich, Esel streck dich, Knüppel aus dem Sack“ veröffentlicht. Als das Märchen Anfang der 1920er-Jahre für das deutsche Stummfilmkino adaptiert wird, ist es auch die Bechstein’sche Fassung, die als Vorlage für das Drehbuch dient. 1921 wird der Film von der Kulturabteilung der Universum-Film AG (Ufa) aufwändig produziert.

Schlitz (Vogelsbergkreis): Märchenfilmdreh in romantischer Burgenstadt

Regisseur Wilhelm Prager dreht dafür Szenen im Schlitzerland – eine Gegend rund um die hessische Kleinstadt Schlitz im heutigen Vogelsbergkreis. Die malerische Landschaft und das historische Stadtbild mit Fachwerkhäusern und Burgen bieten perfekte Märchenfilmkulissen. Drehbuchautor Johannes Meyer zaubert aus der Vorlage Ludwig Bechsteins eine humorvolle Adaption mit herrlich ironischen Seitenhieben: Ein Schneiderehepaar (Erwin Kopp, Sofie Pagay) schickt seine drei Söhne in die weite Welt hinaus.

Schlitz: Der Hinterturm, ein 36 Meter hoher Bergfried, ist eines der Wahrzeichen der Stadt / © Dieter Kaiser/pixelio.de

Schlitz: Der Hinterturm, ein 36 Meter hoher Bergfried, ist eines der Wahrzeichen der Stadt / © Dieter Kaiser/pixelio.de


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Nacheinander treffen der Lange (Carl Geppert), der Dicke (Fritz „Krümelchen“ Neumann-Schüler) und der Dumme (Emil Birron) auf ein Waldmännchen (Paul Walker), bei dem sie Arbeit verrichten – und zum Dank ein Wundertischchen, einen Zauberesel und einen Knüppel erhalten. Ein listiger Wirt – den Regisseur Prager selbst spielt – stiehlt jedoch Tisch und Esel. Der (gar nicht) Dumme lässt den Knüppel zur Strafe auf dem Rücken des Wirts tanzen und kehrt mit allen Geschenken nach Hause.

Film: „Tischlein deck dich, Eselein streck dich, Knüppel aus dem Sack“ (D, 1921, R: Wilhelm Prager). Ist noch nicht auf VHS oder DVD erschienen.

Drehort: 36110 Schlitz (Vogelsbergkreis)

Lanke (bei Berlin): Bäuerliches Dorfidyll im Märchenfilm der 1930er-Jahre

Filmplakat „Tischlein deck Dich, Esel streck Dich, Knüppel aus dem Sack“ (1938) / Quelle: DIF

Filmplakat „Tischlein deck Dich, Esel streck Dich, Knüppel aus dem Sack“ (1938) / Quelle: DIF

Als das Märchen 1938 erstmals als Tonfilm für das Kino adaptiert wird, entscheiden sich Regisseur Alfred Stöger und Drehbuchschreiber Guido K. Brand für die Fassung der Brüder Grimm. Darin lebt ein Schneider mit seinen drei Söhnen – und einer sprechenden Ziege, die allerdings lügt und behauptet, von den Söhnen nicht gut versorgt zu werden. Aus Zorn darüber jagt der Vater seine Kinder aus dem Haus. Jeder erlernt in der Fremde ein Handwerk und geht bei einem Schreiner, einem Müller und einem Drechsler in die Lehre.

Werden die Handwerksstuben mit viel Liebe zum Detail im Studio nachgebaut, so fährt die Filmcrew für Außenaufnahmen ins kleine Dorf Lanke nordöstlich von Berlin – das versteckt zwischen Kiefern- und Buchenwäldern liegt – und in den Harz. Zudem schafft es Produzent Hubert Schonger, einen der populärsten Schauspieler des „Dritten Reichs“ für den Märchenfilm zu verpflichten: Paul Henckels („Die Feuerzangenbowle“, D, 1944, R: Helmut Weiss) ist in der Rolle des Vaters Schneidermeister Zwirn zu sehen.

Film: „Tischlein deck Dich, Esel streck Dich, Knüppel aus dem Sack!“ (D, 1938, R: Alfred Stöger). Ist noch nicht auf VHS oder DVD erschienen.

Drehort: 16359 Lanke

Berlin und Bayern: „Tischlein deck dich“ erstmals in Farbe

Die Vorlage der Brüder Grimm setzt im Juli 1956 auch Märchenfilmregisseur Fritz Genschow um. Da seine Produktionsfirma ohnehin ihren Sitz in Westberlin hat, werden die Innen- und Außenaufnahmen für den 79-minütigen Streifen in Berlin-Wannsee gedreht. Genschow schreibt auch das Drehbuch – gemeinsam mit seiner Ex-Frau Renée Stobrawa. Obwohl das Märchen erstmals in Farbe verfilmt wird, moniert die Kritik die „unendlich vielen Volkslieder“ (Brüne), die in der Adaption zu hören sind.

Tischlein deck dich (BRD, 1956, R: Jürgen von Alten): Der Märchenfilm entsteht in Agfacolor / © Icestorm Distribution

Tischlein deck dich (BRD, 1956, R: Jürgen von Alten): Der Vater (Bobby Todd) begutachtet das Tischlein, das Hans (Rolf Bollmann, r.) von seiner Wanderschaft mitgebracht hat / © Icestorm Distribution


Zeitgleich produziert die westdeutsche Schongerfilm einen „Tischlein-deck-dich“-Märchenfilm. Drehbuchautor Konrad Lustig verwendet in seinem Skript sowohl Ideen der Brüder Grimm als auch Ludwig Bechsteins: Das Märchen wird von einem Waldmann (Alfons Teuber) erzählt, bei dem die drei Schneidersöhne ein Handwerk erlernen – Vorbild ist das „kleine Männlein“ aus der Bechsteinvorlage. Zudem hat die Grimm’sche Ziege ihren Auftritt. Gedreht wird die Adaption im Sommer 1956 im beschaulichen Bayern mit dem Farbfilmverfahren Agfacolor.

Filme:

  • „Tischlein deck dich“ (BRD, 1956, R: Fritz Genschow). Ist auf VHS und DVD erschienen.
  • „Tischlein deck dich“ (BRD, 1956, R: Jürgen von Alten). Ist auf VHS und DVD erschienen.

Drehorte: 14109 Berlin-Wannsee, 14163 Berlin-Zehlendorf, Bayern

Freilichtmuseum Detmold: ARD-Filmdreh zwischen historischen Windmühlen

Auch ein ARD-Märchenfilm für die „Auf-einen-Streich“-Reihe verwendet einzelne Motive der Brüder Grimm (die Ziege) sowie Ludwig Bechsteins („der Dumme“) und kombiniert diese mit neuen Ideen: So wird auch hier der dritte und jüngste Sohn Max (Remo Schulze) anfangs als Tolpatsch verkannt, doch ist er es, der mit seinem Lohn (dem Knüppel aus dem Sack) die Geschenke seiner Brüder erfolgreich von einem diebischen Wirtsehepaar (Christine Neubauer, Michael Brandner) zurückfordern kann.

Freilichtmuseum Detmold: Zum Areal gehören die Fachwerkhäuser im „Paderborner Dorf“ / © Jochen Zülka/pixelio.de

Freilichtmuseum Detmold: Zum Areal gehören die Fachwerkhäuser im „Paderborner Dorf“ / © Jochen Zülka/pixelio.de


Vorher lässt ihn Drehbuchautor David Ungureit aber noch einige Abenteuer bestehen, in denen er sich erfolgreich gegen Räuber (zum Beispiel Ingo Naujoks) zur Wehr setzt. Gedreht wird der Märchenfilm auf dem Gelände des Freilichtmuseums Detmold. Regisseur Ulrich König nutzt die Hofanlagen aus dem 19. Jahrhundert mit ihren Fachwerkhäusern und die historischen Windmühlen, um das Märchen von den drei Brüdern und ihrer Wanderschaft detailgetreu ins Bild zu setzen – wie zu Lebzeiten der Brüder Grimm und Bechsteins.

Film: „Tischlein deck dich“ (D, 2008, R: Ulrich König). Ist auf DVD erschienen.

Drehort: LWL-Freilichtmuseum Detmold, Westfälisches Landesmuseum für Volkskunde, 32760 Detmold

Literatur:

  • Bechstein, Ludwig: Tischlein deck dich, Esel streck dich, Knüppel aus dem Sack. In: Sämtliche Märchen. Vollständige Ausgabe der Märchen Bechsteins nach der Ausgabe letzter Hand unter Berücksichtigung der Erstdrucke. Mit 187 Illustrationen von Ludwig Richter. Mannheim, 2011, S. 171–178.
  • Brüder Grimm: Tischchendeckdich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack. In: Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand mit den Originalanmerkungen der Brüder Grimm. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen und Herkunftsnachweisen hrsg. von Heinz Rölleke. Stuttgart, 1980, Bd. 1, S. 195–205.
  • Brüne, Klaus: 6000 Filme. Kritische Notizen aus den Kinojahren 1945–58. Düsseldorf, 1959, S. 428.


Headerfoto: Tischlein deck dich (BRD, 1956, R: Fritz Genschow): Peter (Wolfgang Draeger, 2. v. r.) erhält ein Zaubertischlein zum Lohn von seinem Meister / © Medienproduktion und Vertrieb Genschow