Archiv für den Monat: Juli 2022

Märchenhafte Drehorte: Wo sich Rumpelstilzchen versteckt

Märchenhafte Drehorte: Wo sich Rumpelstilzchen versteckt

Schon früh wird es vom (Märchen-)Film entdeckt: das Rumpelstilzchen. Sowohl im Studio als auch am Außenschauplatz spinnt es Stroh zu Gold und hilft damit einer schönen Müllerstochter. Das sind die Drehorte der Grimm’schen Geschichte.

Rumpelstilzchen (1939): Paul Hey illustrierte es / Quelle: Grimm-Bilder Wiki

Rumpelstilzchen (1939): Paul Hey illustrierte es / Quelle: Grimm-Bilder Wiki

Dass sich Märchen im Laufe der Zeit verändern, ist nicht ungewöhnlich. Allerdings hat kaum ein anderes Grimm-Märchen gegenüber der Urfassung von 1810 eine so starke inhaltliche Umgestaltung erfahren wie das „Rumpelstilzchen“ (Röhrich 1999, Sp. 1170).

In einer handschriftlichen Urfassung von 1810 hört das kleine Männchen noch auf den Namen Rumpenstünzchen. Hier spinnt der Kobold auch kein Stroh zu Gold. Vielmehr verhilft er einem Mädchen, das selbst Goldfäden herstellen kann, ‚nur’ zu einem Prinzgemahl – verlangt aber bereits sein erstes Kind.

„Bald darauf kam ein schöner junger Prinz vorbei“ (Grimm 2007, S. 74) und heiratet tatsächlich das Mädchen. Als die Prinzessin nach der Geburt den Namen des Männchens errät, darf sie ihr Kind behalten. Und das erschrockene und überraschte Rumpenstünzchen „fliegt auf einem Kochlöf[f]el zum Fenster hinaus“ (ebd.).

Was schrie das Rumpelstilzchen?

Erst die Fassung von 1812 erzählt von einem Müller, der vor dem habgierigen König von seiner Gold spinnenden Tochter prahlt. Zudem schreit das Männchen vor Wut am Ende, ob seines erratenen Namens, „lief zornig fort und kam nimmermehr wieder“. Später, in der heute populären Fassung von 1819, erfährt das Publikum dann von seinem ‚dramatischen’ Ende:

„Das hat dir der Teufel gesagt, das hat dir der Teufel gesagt“, schrie das Männlein und stieß mit dem rechten Fuß vor Zorn so tief in die Erde, daß es bis an den Leib hineinfuhr, dann packte es in seiner Wut den linken Fuß mit beiden Händen und riß sich selbst mitten entzwei. (Grimm 1980, S. 288)

Rumpelstilzchens Name geht auf Spiel zurück

Sein Name, den es seit 1812 trägt, soll im Übrigen auf ein Kinderspiel mit dem Titel „Rumpele stilt oder der Poppart“ zurückgehen (vgl. Röhrich 1999, Sp. 1170).

Neben den Märchenfassungen von 1810, 1812 und 1819 zeigen sich ebenso die filmischen „Rumpelstilzchen“-Adaptionen recht unterschiedlich. Zwar treten Einzelmotive wie das dreimalige Stroh-zu-Gold-Spinnen oder das Erraten des Namens in fast allen Verfilmungen auf, doch im Figurenensemble und Charakterbild der Titelfigur setzen die Drehbuchautorinnen und -autoren oft neue Akzente. Lesen Sie hier, wie das Märchen dem Zeitgeschmack angepasst wird.

Märchenhafte Schauplätze: Mühle, Schloss, Wald

Zudem punktet „Rumpelstilzchen“ mit Handlungsorten, die gerade im Märchenfilm bestimmte Schauwerte bedienen, oder anders gesagt: die Schaulust ansprechen. Da ist eine bäuerliche Mühle, der Ort, an dem die schöne Müllerstochter lebt. Oder ein stattliches Schloss, in dem sie für den König goldene Spulen spinnen muss. Zu guter Letzt ein geheimnisvoller Wald, in dem sich die Titelfigur versteckt, „wo Fuchs und Has sich gute Nacht sagen“ (Grimm 1980, S. 287).

So überrascht es kaum, dass „Rumpelstilzchen“ bereits 1923 in Österreich von Regisseur Desider Kertész (1893–1962) verfilmt wird. In Deutschland schafft es der Zwerg 1935 auf die Leinwand: im 8-Millimeter-Stummfilm für das Heimkino. Der Berliner Fritz Genschow (1905–1977) schreibt das Drehbuch und führt Regie. Die Briese-Schmalfilm-Produktion stellt den Streifen her, über den allerdings nichts bekannt ist.

Potsdamer Stadtschloss: „Rumpelstilzchen“ (1940) als Tonfilm

Als der Märchenfilm-Regisseur Alf Zengerling (1884–1961) das „Rumpelstilzchen“ (1940) fürs NS-Kino adaptiert, hält er sich im Kern an die Fassung von 1819. Gleichzeitig fügt er neue Nebenfiguren wie einen hilfreichen Pagen und einen geldgierigen Schatzkanzler hinzu – letzterer ist notwendig, um den König ganz im Sinne der NS-Ideologie als positive ‚Führungs-Figur’ zu inszenieren und von bösen Eigenschaften zu entlasten.

Rumpelstilzchen (1940): Müllerstochter Grete (Trude Häfelin) scheut keine harte Arbeit / Quelle: VZ Medien

Rumpelstilzchen (1940): Müllerstochter Grete (Trude Häfelin) scheut keine harte Arbeit / Quelle: VZ Medien


Im Hinblick auf die drei Hauptschauplätze Mühle, Schloss und Wald setzt Zengerling vor allem auf Außenaufnahmen – die aber bis heute noch nicht einwandfrei lokalisiert werden können. So ist unbekannt, wo sich das Fachwerkhaus mit seinen angrenzenden Gebäuden befindet, das an einem See oder (Dorf-)Teich liegt. Hier leben der Müller Gottlieb mit Tochter Grete. Allerdings ist weit und breit keine Mühle zu sehen.

Potsdamer Stadtschloss wird Märchen-Drehort

Um trotzdem den Eindruck einer Müllerei zu vermitteln, greift der Regisseur auf einen Trick zurück. Er fügt eine kurze Sequenz aus „Der gestiefelte Kater“ (1935, R: Alf Zengerling) mit einer romantischen Mühle nebst Wasserrad (Mühlrad) ein. Drehort ist damals die noch heute existierende Grander Mühle im Örtchen Kuddewörde in Schleswig-Holstein.

Rumpelstilzchen (1940): Der Screenshot zeigt die Grander Mühle in Kuddewörde um 1935 / Quelle: VZ Medien

Rumpelstilzchen (1940): Der Screenshot zeigt die Grander Mühle in Kuddewörde um 1935 / Quelle: VZ Medien


Rumpelstilzchen (1940): Die Grander Mühle im 21. Jahrhundert / © Reinhard Kraasch/Wikimedia/CC-BY-SA 4.0 DE

Rumpelstilzchen (1940): Die Grander Mühle im 21. Jahrhundert / © Reinhard Kraasch/Wikimedia/CC-BY-SA 4.0 DE


Zudem wird das Potsdamer Stadtschloss während der Dreharbeiten (um 1939/40) zum Königsschloss. Dabei filmt die Kamera die sogenannte Ringerkolonnade (erbaut 1746). Das ist ein Säulengang, zwischen denen sich u. a. Ringer-Skulpturen befinden – daher der Name. Im Zweiten Weltkrieg wird das Potsdamer Stadtschloss zum Teil zerstört, später abgerissen und im 21. Jahrhundert wiederaufgebaut. Seit 2014 ist es Sitz des brandenburgischen Landesparlaments.
Rumpelstilzchen (1940): Müller (H. Schröder) und Tochter (T. Häfelin) vor dem Potsdamer Schloss / Quelle: VZ Medien

Rumpelstilzchen (1940): Müller (H. Schröder) und Tochter (T. Häfelin) vor dem Potsdamer Schloss / Quelle: VZ Medien


Rumpelstilzchen (1940): Der Screenshot zeigt das alte Potsdamer Stadtschloss um 1939/40 / Quelle: VZ Medien

Rumpelstilzchen (1940): Der Screenshot zeigt das alte Potsdamer Stadtschloss um 1939/40 / Quelle: VZ Medien


Rumpelstilzchen (1940): Im neuen Stadtschloss sitzt heute der brandenburgische Landtag / © A. Savin/WikiCommons

Rumpelstilzchen (1940): Im neuen Stadtschloss sitzt heute der brandenburgische Landtag / © A. Savin/WikiCommons


Rumpelstilzchen (1940): König (O. Bredow, M.), Grete (T. Häfelin), Müller (H. Schröder) im Schloss / Quelle: VZ Medien

Rumpelstilzchen (1940): König (O. Bredow, M.), Grete (T. Häfelin), Müller (H. Schröder) im Schloss / Quelle: VZ Medien


Ob die im Märchenfilm gezeigten Innenräume – wie das königliche Arbeitszimmer (Foto) – auch zum Stadtschloss gehören, ist bislang noch nicht geklärt. Dagegen kann als gesichert gelten, dass Rumpelstilzchens Wald-Versteck nachgebaut wird. Hier singt und tanzt der Zwerg um ein loderndes Feuer – und verrät dabei seinen Namen.

Film: „Rumpelstilzchen“ (D, 1940, R: Alf Zengerling). Ist auf DVD erschienen.

Drehorte: u. a.

  • Grander Mühle, Lauenburger Straße 1, 22958 Kuddewörde (nur Insert: kurze Einblendung)
  • Potsdamer Stadtschloss, Am Alten Markt 1, 14467 Potsdam
  • Ringerkolonnade, Lustgarten, 14467 Potsdam

Schloss Burg/Solingen: „Rumpelstilzchen“ (1955) als Farbfilm

Auch ein westdeutscher Märchenfilm (1955) in der Regie von Herbert B. Fredersdorf (1899–1971) fügt neue Charaktere hinzu: Hier sind es gleich zwei böse Berater des Königs – Schatzmeister und Hofmarschall –, die die Müllerstochter Marie antreiben, immer mehr Stroh zu Gold spinnen. Der alte, vertrottelte Herrscher bedient dagegen das Bild der „entwerteten Väter“ (Bliersbach 1989, S. 170), das wiederkehrende Thema westdeutscher Nachkriegsfilme. Kein Wunder, dass sein Sohn am Ende die Müllerstochter heiratet.

Rumpelstilzchen (1955): Müllerstochter Marie (Liane Croon) und Rumpelstilzchen (Werner Krüger) / © Studiocanal

Rumpelstilzchen (1955): Müllerstochter Marie (Liane Croon) und Rumpelstilzchen (Werner Krüger) / © Studiocanal


Rumpelstilzchen (1955): Schloss Burg in Solingen ist einer der Drehorte / © Benjamin Vetter/pixelio.de

Rumpelstilzchen (1955): Schloss Burg in Solingen ist einer der Drehorte / © Benjamin Vetter/pixelio.de


Wie schon 1940 setzt auch diese Farb-Adaption auf Außenaufnahmen. Ein Drehort ist die Schloss Burg in Solingen. Die mittelalterliche Anlage hatte bereits in „Der gestiefelte Kater“ (1955, R: Herbert Fredersdorf) ihren Auftritt: Hier wie dort wird die Burg zum Königsschloss. Und: Seit den 1950er-Jahren, so die Website von Schloss Burg, entwickelt sich die Anlage zu einem Touristenmagneten. Vielleicht hat auch „Rumpelstilzchen“ seinen Anteil daran.
Rumpelstilzchen (1955): Die Titelrolle übernimmt der kleinwüchsige Schauspieler Werner Krüger / © Studiocanal

Rumpelstilzchen (1955): Die Titelrolle übernimmt der kleinwüchsige Schauspieler Werner Krüger / © Studiocanal


Die Naturszenen, in denen die Titelfigur als „Herr des Waldes und Gebieter über Bäume und Tiere“ nach dem Rechten sieht, entstehen nach bisherigem Wissensstand in der Umgebung der Burganlage. Dort befindet sich auch die Wupper. Der 114 Kilometer lange, rechte Nebenfluss des Rheins ist in einigen Szenen zu sehen. Ganz in der Nähe in alten Buchen- und Eichenwäldern versteckt sich auch das Rumpelstilzchen – bis es der Königssohn entdeckt.

Film: „Rumpelstilzchen“ (BRD, 1955, R: Herbert B. Fredersdorf). Ist auf VHS und DVD erschienen.

Drehorte: u. a.

  • Schloss Burg, Schlossplatz 2, 42659 Solingen
  • Wupper (naturnahe Uferstellen ohne Bebauung)

Tanzsaal/Langerwisch: DEFA dreht „Das Zaubermännchen“ (1960)

Komplett im Studio entsteht die DDR-Verfilmung „Das Zaubermännchen“, frei nach einer „Rumpelstilzchen“-Aufführung des Hans-Otto-Theaters in Potsdam. Die Deutsche Film-AG, kurz: DEFA, das staatliche Filmstudio, kann den Märchenfilm aber nicht vollständig in den Produktionshallen von Potsdam-Babelsberg herstellen. Ein Grund: Sie sind zu klein.

Das Zaubermännchen (1960): Rumpelstilzchen (Siegfried Seibt) hilft der Marie (Karin Lesch) / © MDR/Progress

Das Zaubermännchen (1960): Rumpelstilzchen (Siegfried Seibt) hilft der Marie (Karin Lesch) / © MDR/Progress


Deshalb weicht Regisseur Christoph Engel (1925–2011) auf einen Tanzsaal in Langerwisch aus, einem Ortsteil der brandenburgischen Gemeinde Michendorf (vgl. Progress-Filmverleih 2012). So entstehen die Drehorte Mühle, Schloss und Wald sowohl in den DEFA-Filmstudios als auch im Provisorium.

Keine Außenfassaden von Mühle und Schloss

Allerdings verzichtet Szenenbildner Ernst-Rudolf Pech (1919–1964) auf imposante Außenfassaden der Mühle oder des Schlosses – wohl auch, weil der Film mit einem spärlichen Budget von 385.660 DDR-Mark auskommen muss. Zum Vergleich: Das ebenso im Atelier entstandene „Rotkäppchen“ (1962, R: Götz Friedrich) kostet stolze 1,1 Millionen (vgl. Rader 2021, S. 99).

Das Zaubermännchen (1960): Die Szenen im Thronsaal werden vermutlich in den Studios gedreht / © MDR/Progress

Das Zaubermännchen (1960): Die Szenen im Thronsaal werden vermutlich in den Studios gedreht / © MDR/Progress


Dennoch sind das Innere der Mühle, das Turmzimmer, in das die Müllerstochter Marie gesperrt wird, sowie der Thronsaal des jungen, später geläuterten Königs mit Liebe zum Detail ausgestattet. Zu den Atelierdekorationen zählt auch der „mit beeindruckender botanischer Akkuratesse arrangiert[e]“ (ebd. S. 102) Wald, in dem das gute Zaubermännchen lebt.

Dorthin hat sich der Kobold zurückgezogen, weil er von den goldgierigen und verlogenen Menschen enttäuscht ist. Zu diesen gehört wieder ein – nach 1940 und 1955 – neu ins Figurenensemble aufgenommener böser Schatzkanzler, der am Ende seines Amtes enthoben wird.

Film: „Das Zaubermännchen“ (DDR, 1960, R: Christoph Engel). Ist auf VHS und DVD erschienen.

Drehorte:

  • VEB DEFA Studio für Spielfilme, 1502 Potsdam-Babelsberg, August-Bebel-Straße 26–53
  • Tanzsaal, 14552 Michendorf, OT Langerwisch

Westdeutschland: „Rumpelstilzchen“ (1960) im WDR-Fernsehfilm

Ende der 1950er- bzw. Anfang der 1960er-Jahre gibt der Westdeutsche Rundfunk (WDR) fünf Märchenfilme für sein Nachmittags-Kinderprogramm in Auftrag. Diese werden von Fritz Genschow produziert. Zu den Verfilmungen zählt auch „Rumpelstilzchen“, das die ARD in zwei Folgen á 45 Minuten sendet.

Rumpelstilzchen (1960): Zur Müllerei gehören Wohngebäude mit Wasserrad / © Medienproduktion/Vertrieb Genschow

Rumpelstilzchen (1960): Zur Müllerei gehören Wohngebäude mit Wasserrad / © Medienproduktion/Vertrieb Genschow


Darin verbindet Genschow das Grimm-Märchen zusätzlich mit dem Erzähltyp „Drei alte Weiber als Helferinnen“ (AaTh 501). Die dämonischen, gutmütigen Zauberinnen bleiben in der Verfilmung aber weitgehend funktionslos und werden nicht sinnhaft in die Handlung integriert.

Viele Außenaufnahmen, aber unbekannte Drehorte

Genschow setzt, wie schon in seinen Kino-Märchenfilmen, vor allem auf Außenaufnahmen – die aber bisher noch nicht zugeordnet werden können. Dazu zählt beispielsweise ein Wohngebäude mit einem Wasserrad, in dem der Müller mit seiner Tochter Rosemarie lebt. Oder eine steinerne Bogenbrücke, auf der Prinz Sonnenschein die Müllerin auf sein Schloss führt – damit sie dort Stroh zu Gold spinnt.

Rumpelstilzchen (1960): Müllerstochter (Ulrike Teichmann, 2. v. r.) mit Prinz / © Medienproduktion/Vertrieb Genschow

Rumpelstilzchen (1960): Müllerstochter (Ulrike Teichmann, 2. v. r.) mit Prinz / © Medienproduktion/Vertrieb Genschow


Rumpelstilzchen (1960): Der Screenshot zeigt das kleine Barockschlösschen / © Medienproduktion/Vertrieb Genschow

Rumpelstilzchen (1960): Der Screenshot zeigt das kleine Barockschlösschen / © Medienproduktion/Vertrieb Genschow


Rumpelstilzchen (1960): In diesem Park entstehen ebenso einige Filmszenen / © Medienproduktion/Vertrieb Genschow

Rumpelstilzchen (1960): In diesem Park entstehen ebenso einige Filmszenen / © Medienproduktion/Vertrieb Genschow


Zudem zeigt der Märchenfilm nur für wenige Sekunden eine statistische Kameraaufnahme von einem Barockschlösschen mit Park- und Brunnenanlage in der Supertotalen. Ein weiterer Drehort ist ein anderer, terrassenartig angelegter Park mit geometrisch beschnittenen Bäumen und Sträuchern, den die Kamera oftmals aus der Obersicht aufnimmt – und der offenbar nicht zu dem Barockschlösschen gehört.
Rumpelstilzchen (1960): Es hofft, dass niemand seinen Namen errät / © Medienproduktion/Vertrieb Genschow

Rumpelstilzchen (1960): Es hofft, dass niemand seinen Namen errät / © Medienproduktion/Vertrieb Genschow


Einzig klar ist, dass die Szenen, die das Versteck des eindeutig negativ gezeichneten Rumpelstilzchens zeigen, in einem Naturwald entstehen. Auch hier wird der Kobold belauscht und hat am Ende das Nachsehen.

Film: „Rumpelstilzchen“ (BRD, 1960, R: Fritz Genschow). Ist auf DVD erschienen.

Drehorte: (bislang unbekannt)

Schloss Moosham/Österreich: ZDF-Märchenfilm „Rumpelstilzchen“ (2007)

Als das ZDF im Jahr 2006 entscheidet, das „Rumpelstilzchen“ für seine Reihe „Märchenperlen“ zu verfilmen, dreht der Sender ausnahmslos in Österreich: Im Salzburger Land findet das Filmteam um Regisseur Andreas „Andi“ Niessner (*1967) und Szenenbildner Maximilian Lange (*1971) die perfekten Schauplätze. Zum Beispiel eine romantische Mühle mit einem Wasserrad, deren genauer Ort, aber noch nicht lokalisiert werden kann.

Genau dort treffen der junge, sich auf Brautschau befindende König Michael und sein geldgieriger Minister, mit dem sprechenden Namen Heinrich von Schotter, erstmals auf die Müllerstochter Marie. Sie lebt hier mit ihrem Vater Müller Veit und Müllerbursche Peter.

Rumpelstilzchen (2007): Kobold (Katharina Thalbach) mit Königin (Marie C. Friedrich) / © ZDF/Christian Schneider

Rumpelstilzchen (2007): Kobold (Katharina Thalbach) mit Königin (Marie C. Friedrich) / © ZDF/Christian Schneider


Rumpelstilzchen (2007): Burg Finstergrün ist einer der Drehorte im ZDF-Märchen / © Arne Müseler/arne-mueseler.com

Rumpelstilzchen (2007): Burg Finstergrün ist einer der Drehorte im ZDF-Märchen / © Arne Müseler/arne-mueseler.com


Zuvor hatte der König der Prinzessin Agathe seine Aufwartung gemacht – die wohnt wiederum auf der imposanten Burg Finstergrün. Die einst verfallene Anlage wurde Anfang des 20. Jahrhunderts im Stil der Neoromanik bzw. -gotik wieder instandgesetzt. Die Burg gehört heute der Evangelischen Jugend Österreich (EJÖ) und wird vom ZDF recht oft als Filmkulisse genutzt, wie später in „Dornröschen“ (2008, R: Arend Agthe), „Der Eisenhans“ (2011, R: Manuel Siebenmann) und „Die Schöne und das Biest“ (2012, R: Marc-Andreas Bochert).

Schloss Moosham als Märchenfilm-Drehort

Rumpelstilzchen (2007): Das Foto zeigt den Innenhof von Schloss Moosham / © Peter Tritthart – Eigenes Werk, CC BY 3.0

Rumpelstilzchen (2007) / © Peter Tritthart – Eigenes Werk, CC BY 3.0

Das eigentliche Königsschloss – zweiter wichtiger Handlungsort – findet das Drehteam aber in Schloss Moosham (früher auch: Moosheim) in der Gemeinde Unternberg. Erstmalig 1191 erwähnt, ist das Schloss heute im Familienbesitz, kann aber besichtigt werden. Drehort sind vor allem die zwei Innenhöfe (Foto) mit ihren überdachten Treppenaufgängen, die sich an die Hausfassaden mit ihren traditionell rot-weiß gestrichenen Fensterläden schmiegen. Zudem entstehen Innenaufnahmen in der urigen Trinkstube.

Auch Schloss Moosham wird später in „Dornröschen“ (2008, R: Arend Agthe) und „Die Schöne und das Biest“ (2012, R: Marc-Andreas Bochert) wiederholt als Filmkulisse genutzt.

Rumpelstilzchen (2007): Königin Marie (M.-C. Friedrich) und König Michael (S. Fischer) / © ZDF/Christian Schneider

Rumpelstilzchen (2007): Königin Marie (M.-C. Friedrich) und König Michael (S. Fischer) / © ZDF/Christian Schneider


Da das Salzburger Land mit unberührten Wäldern gesegnet ist, befindet sich letztlich auch hier der perfekte Drehort für die geheimnisvolle Stelle, an der das Rumpelstilzchen singt: „Heute back’ ich, morgen brau’ ich, übermorgen hol ich der Königin ihr Kind. Ach, wie gut dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß.“

Film: „Rumpelstilzchen“ (BRD, 2007, R: Andi Niessner). Ist auf DVD erschienen.

Drehorte: u. a.

  • Burg Finstergrün, Burgstraße 65, 5591 Ramingstein, Österreich (Schloss von Prinzessin Agathe)
  • Schloss Mosham, Moosham 12, 5585 Unternberg, Österreich (Schloss von König Michael)
  • Salzburger Land, Österreich

Schloss Bürresheim/St. Johann: „Rumpelstilzchen“ (2009) im ARD-Märchenfilm

Die ARD verfilmt bereits in der zweiten Staffel ihrer TV-Reihe „Sechs auf einen Streich“ das Grimm’sche Märchen. Auch hier lebt der Müller Gisbert mit Tochter Lisa und Sohn Hannes in einer pittoresken Müllerei, die von einem Wasserrad angetrieben wird. Wo sie steht, ist nicht bekannt. Es geht die Sage, dass die Produktionsfirma Askania Media den Ort der sich in privater Hand befindenden Mühle geheim hält, um die Besitzer vor Touristen zu schützen.

Rumpelstilzchen (2009): Lisa (Julie Engelbrecht) mit Hannes (Max Zydeck) vor der Mühle / © WDR/Hardy Spitz

Rumpelstilzchen (2009): Lisa (Julie Engelbrecht) mit Hannes (Max Zydeck) vor der Mühle / © WDR/Hardy Spitz


Rumpelstilzchen (2009): Schloss Bürresheim ist einer der Märchenfilm-Drehorte / © Siegbert Pinger/pixelio.de

Rumpelstilzchen (2009): Schloss Bürresheim ist einer der Märchenfilm-Drehorte / © Siegbert Pinger/pixelio.de


Dagegen freut man sich auf Schloss Bürresheim, wenn Besucher vorbeischauen. Hier residiert im Märchenfilm König Gustav mit seinem Sohn Prinz Moritz. Die mittelalterliche Burg in der rheinland-pfälzischen Gemeinde St. Johann wurde im 17. Jahrhundert zu einem repräsentativen Wohndomizil umgebaut. Heute ist das Schloss mit seinen spitzen Dächern und Türmen sowie kleinen Dachgauben die perfekte Filmkulisse.

Rumpelstilzchen haust in Genovevahöhle

Im Innenhof punktet die Anlage zudem mit rustikalen Fachwerkgebäuden, die rot-weiß getüncht den passenden Hintergrund für die Filmszenen bieten (Szenenbild: Maja Zogg). Im Hinblick auf den dritten Schauplatz in „Rumpelstilzchen“, das Versteck des Kobolds, entscheidet sich das Filmteam um Regisseur Ulrich König (* 1949) für die sogenannte Genovevahöhle nahe der Stadt Kordel im Kuttbachtal.

Rumpelstilzchen (2009): Titelfigur (Robert Stadlober) mit Müllerstochter Lisa (Julie Engelbrecht) / © WDR/Hardy Spitz

Rumpelstilzchen (2009): Titelfigur (Robert Stadlober) mit Müllerstochter Lisa (Julie Engelbrecht) / © WDR/Hardy Spitz


Rumpelstilzchen (2009): Lisa (Julie Engelbrecht) und Moritz (Kristian Kiehling) im Kuttbachtal / © WDR/Hardy Spitz

Rumpelstilzchen (2009): Lisa (Julie Engelbrecht) und Moritz (Kristian Kiehling) im Kuttbachtal / © WDR/Hardy Spitz


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Das Naturdenkmal trägt den Namen einer schönen, aber verstoßenen Pfalzgräfin, die – der Legende nach – dort mit ihrem Sohn Unterschlupf gefunden haben soll. Im Märchenfilm kocht hier Rumpelstilzchen vor dem Höhleneingang sein Süppchen und freut sich schon, wenn es das erste Kind der Königin Lisa erhält. Doch auch hier kommt alles anders.

Film: „Rumpelstilzchen“ (BRD, 2009, R: Ulrich König). Ist auf DVD erschienen.

Drehorte: u. a.

  • Schloss Bürresheim, 56727 St. Johann
  • Genovevahöhle, Moselstraße 1, 54306 Kordel

Weitere Verfilmungen (Fernsehspiele):

  • Rumpelstilzchen (DDR, 1956, R: Peter Hagen). Noch nicht auf DVD erschienen.
  • Von der Königstochter, die Gold spinnen wollte (DDR, 1984, R: Johanna Rothe). Noch nicht auf DVD erschienen.
  • Rumpelstilzchen (BRD, 1988, Idee: Titus Thaler/SWF). Noch nicht auf DVD erschienen.

Verwendete Quellen:

  • Bliersbach, Gerhard: So grün war die Heide … Thema: Film. Die gar nicht so heile Welt im Nachkriegsfilm. Weinheim/Basel, 1989.
  • Brüder Grimm: Rumpenstünzchen. In: Kinder- und Hausmärchen. Die handschriftliche Urfassung von 1810. Hrsg. und kommentiert von Heinz Rölleke. Stuttgart, 2007, S. 73f.
  • Brüder Grimm: Rumpelstilzchen. In: Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand mit den Originalanmerkungen der Brüder Grimm. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen und Herkunftsnachweisen hrsg. von Heinz Rölleke. Stuttgart, 1980, Bd. 1, S. 285–288.
  • Fischart, Johann: Geschichtsklitterung. 25. Kapitel. Von des Gargantuwalts mancherley Spiel, und gewül. [o. O.] 1575 (abgerufen: 21.7.2022).
  • Progress-Filmverleih: Tierisch märchenhaft! 2012 – Grimm-Märchen-Jahr. Berlin, 2012 (abgerufen: 21.7.2022).
  • Rader, Corinna Alexandra: Das Zaubermännchen, DEFA 1960. Die Macht der Stimmung. In: Dies.: Von wahren Kunstwelten. Szenographie im DEFA-Märchenfilm. Weimar, 2021, S. 98–103.
  • Röhrich, Lutz: Name des Unholds. In: Enzyklopädie des Märchens. Handwörterbuch zur historischen und vergleichenden Erzählforschung. Begründet von Kurt Ranke. Hrsg. von Rolf Wilhelm Brednich zusammen mit Hermann Bausinger, Wolfgang Brückner, Helge Gerndt, Lutz Röhrich und Klaus Roth. Bd. 9, Berlin/New York, 1999, Sp. 1164–1175.
  • Rumpelstilzchen (Illustrationen). In: Grimm-Bilder Wiki (abgerufen: 21.7.2022).
  • Tatar, Maria: Grimms Märchen. In: François, Etienne/Schulze, Hagen (Hrsg.): Deutsche Erinnerungsorte. Mit 77 Abbildungen. 4., durchgesehene Auflage. München, 2002, S. 275–289.
  • [o. A.]: Eine Reise … durch die Geschichte von Schloss Burg. In: Schloss Burg. Historie. Schlossbauverein Burg a/d Wupper e.V. (abgerufen: 20.7.2022).


Headerfoto: Rumpelstilzchen (2009): Robert Stadlober spielt die Titelfigur im ARD-Märchenfilm / © WDR/Hardy Spitz