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Headerfoto: „Das kalte Herz“ (DDR 1950): Holländer-Michel (Erwin Geschonneck) bedrängt Peter (Lutz Moik) / Foto: Progress

Das kalte Herz (DDR 1950). Eine Spurensuche zur Geschichte des Märchenfilms

Der DEFA-Klassiker „Das kalte Herz“ wird vor 70 Jahren – am 8. Dezember 1950 – uraufgeführt. Auch die Ufa plant 1944 eine Verfilmung des Märchens von Wilhelm Hauff. Und lässt das Drehbuch am Handlungsort entstehen: dem Schwarzwald.

Obwohl der schwäbische Dichter Wilhelm Hauff nur 25 Jahre alt wird, gelten seine Kunstmärchen als die populärsten der Romantik: „Zwerg Nase“, „Die Geschichte von dem kleinen Muck“ oder „Die Geschichte vom falschen Prinzen“ wetteifern schon bei ihrer Veröffentlichung Ende der 1820er-Jahre mit den Grimm’schen Volksmärchen um die Gunst des Lesepublikums – mit Erfolg. Diese Popularität ist bis heute ungebrochen.

Ein Grund: sein Erzählstil. Im Gegensatz zu den holzschnittartigen Grimm’schen Märchenfiguren schafft Hauff individuelle Charaktere. Deren Beschreibungen, und das Ausmalen von Situationen, in denen sie sich bewähren müssen, entsprechen „zum Teil konkreten Regieanweisungen“ (Schmitt 1993, S. 47). Genau das fasziniert Drehbuchautoren bereits in den Anfangsjahren der Kinematografie.

Auch deshalb wird beispielsweise Hauffs Kunstmärchen „Das kalte Herz“ schon früh als Stummfilm fürs Kino adaptiert. Die Geschichte um den Köhler Peter Munk, der sein Herz hingibt für den Reichtum, den ihm der Holländer-Michel bietet, beschäftigt Mitte der 1940er-Jahre auch den von den Nazis gleichgeschalteten deutschen Film wie die Universum-Film AG (Ufa).

Ufa plant 1944 „Das kalte Herz“ als Märchenfilm

Als die Ufa im Winter 1942/43 ihr 25-jähriges Jubiläum feiert, wird am 3. März 1943 der märchenhaft-fantastische Film „Münchhausen“ (R: Josef von Baky) uraufgeführt. Die Adaption gilt bis heute nicht nur wegen den aufwändigen Trickaufnahmen, sondern auch wegen ihrer Schwindel erregenden Ausstattung – allein für mehr als 800 Statisten werden historische Kostüme geschneidert – zu einem Klassiker des Genres.

Doch die filmische Märchenwelt steht damals im harten Kontrast zur Wirklichkeit: Zur gleichen Zeit kapituliert in Stalingrad die eingeschlossene 6. Armee unter General Paulus. Das Menetekel für den Untergang.

Münchhausen (D 1943): Hans Albers spielt im Fantasy-Spektakel die Titelrolle / Quelle: Murnau-Stiftung/DIF

Münchhausen (D 1943): Hans Albers spielt im Fantasy-Spektakel die Titelrolle / Quelle: Murnau-Stiftung/DIF


Als sich im Sommer 1944 die Lage an den Fronten zuspitzt, plant die sogenannte Ufa-Filmkunst GmbH – Rechtsnachfolger der von den Nazis verstaatlichten Ufa – eine Neuverfilmung des Hauff’schen Märchens „Das kalte Herz“. Hans Neumann soll das Drehbuch schreiben. Das scheint eine gute Wahl, denn Neumann kennt sich im fantastischen Fach aus.

In den 1910er-Jahren führt er in den märchenhaften Stummfilmen „Aladdins Wunderlampe“ und „Nixenzauber“ (beide D 1918) Regie. Ein paar Jahre später schreibt er das Drehbuch für die deutsche Shakespeare-Adaption „Ein Sommernachtstraum“ (D 1925), die er gleichzeitig in Szene setzt. Nun will Neumann „Das kalte Herz“ wieder zum Leben erwecken.

Drehbuch soll am Handlungsort im Schwarzwald entstehen

Ende August 1944 möchte er mit dem Manuskript beginnen. Neumann befindet sich zu diesem Zeitpunkt genau dort, wo ein Großteil des Märchens spielt: im Schwarzwald. Zusammen mit dem bekannten Schauspieler und Regisseur Wolfgang Liebeneiner hat er vereinbart, „Das kalte Herz“ am besten vor Ort zu schreiben, „da Lokalkolorit, Volkslieder usw. hier eine große Rolle spielen“ (Neumann 1944).

Liebeneiner, der unter den NS-Filmfunktionären als „widerstrebender Mitläufer“ (Kreimeier 1992, S. 404) gilt, ist seit 1942 Produktionschef der Ufa und unterstützt das Vorhaben. In seiner zweijährigen Amtszeit gibt er einigen jungen Regisseuren die Chance, ihren ersten langen Spielfilm zu drehen. An wen er bei „Das kalte Herz“ denkt, ist nicht überliefert. Einzig belegt ist, dass der versierte Neumann das fertige Drehbuch innerhalb von zwei Monaten abliefern soll.

Haus Roseneck (um 1940): Hier soll Hans Neumann das Drehbuch verfasst haben / Quelle: Privat

Haus Roseneck (um 1940): Hier soll Hans Neumann das Drehbuch verfasst haben / Quelle: Privat


Als sich der Autor im August 1944 im Hotel „Haus Roseneck“ in Badenweiler/Schwarzwald einquartiert, um das Drehbuch zu beginnen, erhält er allerdings schlechte Nachrichten aus Berlin. Neumanns postalische Bitte, die Ufa solle ihm für zwei Monate eine Sekretärin nach Badenweiler schicken, die das Manuskript für ihn abtippt, wird abgelehnt.

Die Babelsberger Filmstudios können zu diesem Zeitpunkt nur noch Mitarbeiter für die Rüstung oder – wenn es sich um wehrfähige Männer handelt – für die Wehrmacht freistellen. Neumann ist verärgert, will trotzdem mit dem Schreiben beginnen. Danach verliert sich die Spur vom „Kalten Herz“.

Wie hätte ein NS-Märchenfilm „Das kalte Herz“ ausgesehen?

Obwohl der Märchenfilm bis zum Ende des „Dritten Reichs“ nicht mehr produziert wird, stellt sich die Frage, welche Richtung „Das kalte Herz“ genommen hätte. Dachte man an ein opulentes Fantasy-Abenteuer wie „Münchhausen“ oder eher an die moralisierend-düstere Adaption eines romantischen Stoffes wie „Der Student von Prag“ (D, 1935, R: Arthur Robison)? Wilhelm Hauff rückt in der Geschichte um den Köhler Peter Munk „die Gefährdung des Menschen unter dem Einfluss frühkapitalistischer Entwicklungen“ (Freund 2005, S. 53) in den Mittelpunkt.

Denkbar wäre deshalb in einer NS-Adaption gewesen – in Anlehnung an ähnliche Märchenfilmprojekte, wie „Hans im Glück“ (D, 1936, R: Robert Herlth, Walter Röhrig) –, dass eine positiv gezeichnete vorindustrielle und offenbar märchenhafte bäuerliche Lebenswelt ausgemalt wird. „Das kalte Herz“ hätte sich damit auch im Fahrwasser der NS-Propaganda bewegen können, im Sinne einer Blut-und-Boden-Ideologie.

Hans im Glück (D 1936): Die Titelfigur (Erwin Linder) hat ein Schwein gegen eine Gans getauscht / Quelle: VZ Medien

Hans im Glück (D 1936): Die Titelfigur (Erwin Linder) hat ein Schwein gegen eine Gans getauscht / Quelle: VZ Medien


Doch bewegt man sich hier gleichermaßen im Fahrwasser von Spekulationen. Fertige Drehbuchseiten, die Hans Neumann wohl im Spätsommer und Herbst 1944 zu Papier bringt, könnten Aufschluss geben. Bislang sind keine in Privat- oder öffentlichen Archiven gefunden worden. Und so bleibt alles mehr oder weniger im Vagen.

DEFA-Verfilmung wird am 8. Dezember 1950 uraufgeführt

Gesichert ist dagegen, dass nach 1945 ein früherer NS-Dramaturg und -Drehbuchautor „Das kalte Herz“ wieder ins Gespräch bringt. Es ist Wolff von Gordon. Seit 1944 ist er bei der Terra-Filmkunst GmbH angestellt. Einer seiner Filme, „Der verzauberte Tag“ (D, 1944, R: Peter Pewas), wird noch von der NS-Filmzensur verboten. Der emanzipatorische Liebesfilm kommt bei den Filmfunktionären gar nicht gut an.

Der verzauberte Tag (D 1944): Winnie Markus und Hans Stüwe spielen die Hauptrollen / Quelle: Murnau-Stiftung/DIF

Der verzauberte Tag (D 1944): Winnie Markus und Hans Stüwe spielen die Hauptrollen / Quelle: Murnau-Stiftung/DIF


Nach dem Krieg, im November 1948, schlägt von Gordon der Deutsche Filmkunst AG (DEFA) die Adaption des Märchens „Das kalte Herz“ vor. Das Filmstudio ist erst 1946 gegründet worden, allerdings in der sowjetischen Besatzungszone. Er wolle „den Versuch machen, […] dieses Märchen für unsere Zeit in eine Film-Erzählung zu bringen“ (Giera 2002).

Der Vorschlag trifft auf Zustimmung. Schon 1949 findet sich das Märchenfilm-Projekt im sogenannten „Thematischen Plan des Studios“ als eine Geschichte „über den Segen der Arbeit und den Fluch des Geldes“ (ebd.). Wenig später beginnt von Gordon mit dem Drehbuch zum ersten DEFA-Märchenfilm. Regie führt Paul Verhoeven. Am 8. Dezember 1950 hat „Das kalte Herz“ im Ost-Berliner Kino „Babylon“ Premiere.

„Was muss ich tun, damit sie mich wieder lieben?“

Von Gordon adaptiert das Hauff’sche Märchen „für unsere Zeit“ – das Nachkriegs-Deutschland Ende der 1940er-Jahre. Wenn er in der Figur des Peter Munk die Frage nach „Verstrickung und Schuld“ (ebd.) aufwirft, deckt sich diese mit der im Märchen bereits enthaltenen Kernaussage vom „irregeleiteten Wünschen“ (Freund 2005, S. 136). Die Adaption bleibt zugleich nah an der Vorlage, erinnert darüber hinaus aber auch an die (deutsche) Vergangenheit und Gegenwart.

Das kalte Herz (DDR 1950): Das Glasmännlein (Paul Bildt) erfüllt Peter (Lutz Moik) drei Wünsche / © Progress

Das kalte Herz (DDR 1950): Das Glasmännlein (Paul Bildt) erfüllt Peter (Lutz Moik) drei Wünsche / © Progress


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Die DEFA bringt damit zu Ende, was schon die Ufa beschäftigte, aber nicht mehr abschließen konnte. Und: Als der geläuterte Peter am Schluss verzweifelt das Glasmännlein fragt: „Was muss ich tun, damit sie mich wieder lieben?“ lautet die überraschende Antwort der Helferfigur: „Steh auf! Beginne!“ – fast schon ein Leitsatz für den ehemals „irregeleiteten“ und jetzt nach vorn schauenden Deutschen. Die Ufa hätte sich das 1944 nicht getraut.

Film: „Das kalte Herz“ (DDR, 1950, Regie: Paul Verhoeven). Ist auf VHS und DVD erschienen.

Drehorte:

  • Lauchagrund (in der Umgebung), 99891 Tabarz
  • Marienglashöhle (in der Umgebung), 99894 Friedrichroda
  • VEB DEFA Studio für Spielfilme, 1502 Potsdam-Babelsberg, August-Bebel-Straße 26–53

Verwendete Quellen:

  • Freund, Wilfried: Märchen. Köln, 2005
  • Giera, Joachim: Wilhelm Hauff. Das kurze Leben und der lange Ruhm. Ein Beitrag zum 200. Geburtstag. In: Kinder- und Jugendfilm Korrespondenz, Nr. 90-2/2002 (abgerufen: 30.9.2020)
  • Kreimeier, Klaus: Die Ufa-Story. Geschichte eines Filmkonzerns. München/Wien, 1992
  • Neumann, Hans: Briefe vom 30.8.1944 und 6.9.1944 an Max Stüdemann. BArch 109 I 5151
  • Schmitt, Christoph: Adaptionen klassischer Märchen im Kinder- und Familienfernsehen: eine volkskundlich-filmwissenschaftliche Dokumentation und genrespezifische Analyse der in den achtziger Jahren von den westdeutschen Fernsehanstalten gesendeten Märchenadaptionen mit einer Statistik aller Ausstrahlungen seit 1954. Frankfurt am Main, 1993
  • Stüdemann, Max: Brief vom 1.9.1944 an Hans Neumann. BArch 109 I 5151


Headerfoto: „Das kalte Herz“ (DDR 1950): Holländer-Michel (Erwin Geschonneck) bedrängt Peter (Lutz Moik) / Foto: Progress

Märchenhafte Drehorte: Wo der Froschkönig erlöst wird

Märchenhafte Drehorte: Wo der Froschkönig erlöst wird

Im wohl bekanntesten Tierbräutigam-Märchen erhält ein verzauberter Prinz seine menschliche Gestalt wieder. Auslöser der (Rück-)Verwandlung ist eine rabiate Prinzessin. Das sind die Drehorte der ungewöhnlichen Liebesgeschichte.

Muss die Prinzessin den Frosch nun küssen oder an die Wand werfen, um ihn vom Zauber zu erlösen? Die Brüder Grimm, die „Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich“ in ihre „Kinder- und Hausmärchen“ aufnehmen, entscheiden sich für die Anti-Tierschutz-Variante: Die jüngste Königstochter wirft den Frosch „aus allen Kräften wider die Wand“ – und als er herabfällt, ist er ein Königssohn, der „von einer bösen Hexe verwünscht worden“ war.

Verfilmt wird das Märchen bereits seit den Anfängen der Kinematografie. Und dass, obwohl es wegen seiner Kürze eine dramaturgische Herausforderung für jeden Drehbuchautor ist. So wird die Geschichte um die Königstochter, deren goldene Kugel in den Brunnen fällt und vom besagten Frosch wieder heraufgeholt wird, filmisch ganz unterschiedlich umgesetzt – und ja, auch als Pro-Tierschutz-Variante, in der ein Kuss den Froschkönig sanft entzaubert.

Drehorte für den Märchenfilm sind zumeist Schlösser sowie Garten- und Parkanlagen. Kein Wunder, bietet doch schon die Grimm’sche Vorlage typische szenische Märchenbilder als Handlungsorte an, wie den königlichen Palast („nahe bei dem Schlosse des Königs“) und die romantische Natur („und in dem Walde unter einer alten Linde war ein Brunnen“).

Pfaueninsel/Berlin: „Der Froschkönig“ (1940) im Landschaftspark

Außenaufnahmen für die erste Tonfilm-Neuproduktion von „Der Froschkönig“ entstehen 1940 auf der Pfaueninsel im südwestlichen Zipfel Berlins. Regisseur und Drehbuchautor Alf Zengerling nutzt auf dem 1,5 Kilometer langen, 500 Meter breiten und 67 Hektar großen Eiland eine schneeweiße mittelalterliche Burg im Stil der Neoromantik als märchenhafte Filmkulisse.

Der Froschkönig (1940): Das Schloss Pfaueninsel – hier im Jahr 2010 – ist ein Drehort / © Uwe Wattenberg/pixelio.de

Der Froschkönig (1940): Das Schloss Pfaueninsel – hier im Jahr 2010 – ist ein Drehort / © Uwe Wattenberg/pixelio.de


Zu Beginn des 29-minütigen Schwarzweißfilms sind außerdem Teile des ausgedehnten Landschaftsparks zu sehen. Hier sucht der Diener Heinrich (Egon Vogel) seinen Herrn, den Prinzen. Jener wurde von einer Hexe in einen Frosch verwandelt. Der „eiserne Heinrich“, der bei den Grimms erst am Ende auftritt, ist so bereits am Beginn Teil der Filmhandlung – eine neue dramaturgische Idee, auf die auch nachfolgende Adaptionen zurückgreifen werden.
Der Froschkönig (1940): Prinzessin Ilse (Helga Wasmer) bekommt ihre Kugel zurück / Quelle: SDK

Der Froschkönig (1940): Prinzessin Ilse (Helga Wasmer) bekommt ihre Kugel zurück / Quelle: SDK


In der Schlüsselfrage des NS-Märchenfilms (Küssen oder an die Wand werfen?) entscheidet sich Co-Drehbuchschreiber Waldemar Lydor weder für das Eine noch das Andere. Der Froschkönig, gespielt von dem kleinwüchsigen Schauspieler Paul Walker, wird eher zufällig von der jüngsten Prinzessin Ilse (Helga Wasmer) erlöst, als sie schreit: „Bleib mir vom Leibe, du königlicher Frosch, du Froschkönig!“ Auch das funktioniert.

Film: „Der Froschkönig“ (D, 1940, Regie/Drehbuch: Alf Zengerling). Ist noch nicht auf VHS/DVD erschienen.

Drehort: u. a. Schloss und Park Pfaueninsel, Nikolskoer Weg, 14109 Berlin

Schloss Charlottenburg/West-Berlin: „Der Froschkönig“ (1954) in Agfacolor

Hat die Pfaueninsel den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden, so wird der Drehort der 1954er-Verfilmung – Schloss Charlottenburg – in den Jahren 1943/44 weitgehend zerstört. Dennoch entscheidet die Produktionsfirma Delos-Film, dort Innen- und Außenaufnahmen für „Der Froschkönig“ zu drehen, zum Beispiel im weitläufigen Schlosspark.

Der Froschkönig (1954): Im Schlosspark Charlottenburg entstehen damals Filmszenen / © meyertobi/pixelio.de

Der Froschkönig (1954): Im Schlosspark Charlottenburg entstehen damals Filmszenen / © meyertobi/pixelio.de


Hier reitet Prinz Edelmut (Hans Kwiet) mit seinem Diener Heinrich (Franz Nicklisch) über die Schlossparkbrücke, auch hohe Brücke genannt – die zweitälteste erhaltene Stahlbrücke in Berlin. Beide sind auf dem Weg zur bösen Fürstin Than (Dorothea Wieck). Sie verwandelt den Prinzen in einen Frosch. Den Bann kann nur ein „tugendhaftes gutes Menschenkind“ lösen, wenn es den Frosch küsst.
Der Froschkönig (1954): Prinzessin (S. König) und Prinz (H. Kwiet) / © Medienproduktion/Vertrieb Genschow

Der Froschkönig (1954): Prinzessin (S. König) und Prinz (H. Kwiet) / © Medienproduktion/Vertrieb Genschow


Das findet sich in der tierlieben Prinzessin Susanne (Sieglinde König), der jüngsten Tochter des Königs (Stanislav Ledinek). Drehort für ihr Zuhause sind einige Räume im Alten Schloss, dem Kernbau von Schloss Charlottenburg. Dazu gehören zum Beispiel das Tafelzimmer, das Speisezimmer und die Kleine Galerie. Sie küsst den (echten) Frosch, und der Tierbräutigam wird in seine menschliche Gestalt zurückverwandelt.
Der Froschkönig (1954): Abschiedsszene vor dem Mausoleum im Park / © Medienproduktion/Vertrieb Genschow

Der Froschkönig (1954): Abschiedsszene vor dem Mausoleum im Park / © Medienproduktion/Vertrieb Genschow


Um die Bedeutung der Erlösung hervorzuheben, setzt Regisseur Otto Meyer dramaturgisch in dieser Szene auf den Wechsel vom Schwarzweiß- zum Farbfilm. Danach wird in der sogenannten Ahnengalerie (auch: Alte Galerie) von Schloss Charlottenburg die Hochzeit von Susanne und Edelmut gefeiert. Drehort für die Abreise des Brautpaares (in Agfacolor) ist das tempelartige Mausoleum im Park – 1810 zum Gedenken an die preußische Königin Luise errichtet.

Film: „Der Froschkönig“ (BRD, 1954, Regie: Otto Meyer). Ist auf VHS/DVD erschienen.

Drehorte: u.a.

  • Schloss Charlottenburg, Spandauer Damm 10–22, 14059 Berlin
  • Schlosspark Charlottenburg, Spandauer Damm 20–24, 14059 Berlin

Filmstudio Babelsberg/Potsdam: „Froschkönig“ (1988) als DEFA-Märchenfilm

Erst spät, Ende der 1980er-Jahre, verfilmt auch die DEFA das Märchen. Das staatliche Filmstudio der DDR setzt neue, eigenwillige Akzente. Als Prinzessin Henriette (Jana Mattukat) den Frosch an die Wand wirft, verwandelt er sich zwar in einen Prinzen (Jens-Uwe Bogadtke). Doch sie muss um seine Liebe kämpfen, ihn gewissermaßen ein zweites Mal ‚erlösen’. In seiner Behausung, hinter dem Ende der Welt, soll sie dafür drei Prüfungen bestehen …

Froschkönig (1988): Prinzessin Henriette (Jana Mattukat) mit ihrem Vater (Peter Sodann) / © Progress/Dieter Jaeger

Froschkönig (1988): Prinzessin Henriette (Jana Mattukat) mit ihrem Vater (Peter Sodann) / © Progress/Dieter Jaeger


Szenenbildner Christoph Schneider setzt auf zwei kontrastreiche Handlungsorte: einerseits ein romantisches Birkenwäldchen mit einem urigen Steinbrunnen. Dort lebt der Froschkönig. Zudem das Königsschloss, für das äußerlich eine barocke Gartenseite mit zwei prächtigen Freitreppenläufen steht. Auch die Innenräume bedienen klassische Vorstellungen, die das Märchenpublikum erwartet: dekorative Wandtapeten, edles Parkett, historisches Mobiliar.

Andererseits die „Zitadelle der Lieblosigkeit“, wo der entzauberte Prinz haust: „Labyrinthische Treppen bilden ein schier unüberwindbares Wirrwarr. Metall, dunkle Farben und eisige Kälte dominieren“ (König/Wiedemann/Wolf 1996, S. 374). Das „düstere, futuristische Design“ setzt sich gekonnt von bisherigen Märchenklischees ab. Und es unterstreicht auf der bildlichen Ebene die erzählerische Zweiteilung dieser bemerkenswerten Verfilmung.

Film: „Froschkönig“ (DDR, 1988, Regie/Drehbuch: Walter Beck). Ist auf VHS/DVD erschienen.

Drehort: u. a. VEB DEFA Studio für Spielfilme, 1502 Potsdam-Babelsberg, August-Bebel-Straße 26–53

Schloss Buchlovice/ČSFR: „Froschkönig“ (1991) als ZDF-Märchenfilm

Das Märchen vom „Froschkönig“ zählt auch zu den Vorlagen, die das ZDF seit Mitte der 1980er-Jahre in europäischen Koproduktionen neu verfilmt. Hans-Dieter Radke aus der damaligen ZDF-Redaktion „Kinder und Jugend“ will mit den TV- und Kinofilmen „große und kleine Zuschauer gleichzeitig ansprechen“ (KJK 30-2/1987). Auch deshalb entstehen für die tschechoslowakisch-deutsche Koproduktion viele Außenaufnahmen auf dem Gebiet des heutigen Tschechiens.

Froschkönig (1991): Iris Berben und Michael Degen spielen im Märchenfilm das Königspaar / © ZDF/Taurus-Film

Froschkönig (1991): Iris Berben und Michael Degen spielen im Märchenfilm das Königspaar / © ZDF/Taurus-Film

Froschkönig (1991): Die Prinzessin (Linda Rybová) trägt ausnahmsweise mal ein Kleid / © ZDF/Taurus-Film

Froschkönig (1991): Die Prinzessin (Linda Rybová) trägt ausnahmsweise mal ein Kleid / © ZDF/Taurus-Film

Der Froschkönig (1991): Der Prinz (Michal Dlouhý) hat es faustdick hinter den Ohren / © ZDF/Taurus-Film

Der Froschkönig (1991): Der Prinz (Michal Dlouhý) hat es faustdick hinter den Ohren / © ZDF/Taurus-Film


Darunter ist das dreiflügelige Barockschloss Buchlovice mit seinem weitläufigen Landschaftspark. Hier lebt die burschikose Prinzessin (Linda Rybová) mit ihren Eltern – gespielt von Iris Berben und Michael Degen. Im Unterschied zu Vorlage und anderen Verfilmungen lernt die Prinzessin den Prinzen (Michal Dlouhý) erst in seiner Menschengestalt kennen: ein arroganter Fatzke, der reihenweise Mädchenherzen bricht, aber sich nicht darum schert. Eine Fee (Nina Divíšková) verwandelt ihn deshalb in einen hässlichen Frosch …

Film: „Froschkönig“ (ČSFR/BRD, 1991, Regie: Juraj Herz). Ist auf VHS und DVD erschienen.

Drehort: u. a. Schloss Buchlovice, nám. Svobody 13, 687 08 Buchlovice, Tschechien

Schloss Favorite/Rastatt: „Der Froschkönig“ (2008) als ARD-Märchenfilm

2008 adaptiert die ARD die Grimm’sche Geschichte in ihrer Märchenfilm-Reihe „Auf einen Streich“. Und weil der Südwestrundfunk (SWR) das Märchen produziert, wird in Schlössern und Parkanlagen Baden-Württembergs gedreht. Zum Beispiel vor Barockschloss Favorite – ein Lustschlösschen, von 1710 bis 1730 erbaut.

Der Froschkönig (2008): Das Schloss Favorite ist einer der Märchenfilmdrehorte / © campomalo/pixelio.de

Der Froschkönig (2008): Das Schloss Favorite ist einer der Märchenfilmdrehorte / © campomalo/pixelio.de


Dessen Park ist von Wasserläufen und Teichen durchzogen. In einen fällt beim Spielen die goldene Kugel von Prinzessin Sophie (Sidonie von Krosigk), die sie zu ihrem 18. Geburtstag bekommen hat. Ein (computeranimierter) Frosch verspricht, die Kugel wieder heraufzuholen, zu den bekannten Bedingungen: Sie muss von nun an Speise, Trank und Bett mit ihm teilen.
Der Froschkönig (2008): Der Aufgang zur sogenannten Beletage im Residenzschloss Rastatt / © Rainer Sturm/pixelio.de

Der Froschkönig (2008): Der Aufgang zur sogenannten Beletage im Residenzschloss Rastatt / © Rainer Sturm/pixelio.de


Filmszenen entstehen aber auch vor einer anderen Barockresidenz gleich in der Nähe – Schloss Rastatt. Bei den Dreharbeiten zu „Der Froschkönig“ will Regisseurin Franziska Buch von außen durch die Fenster in die erste Etage des Schlossinneren filmen. Mit Hilfe einer aufwändigen Hebebühne gelingt das der Filmcrew auch.
Der Froschkönig (2008): Prinzessin Sophie (S. v. Krosigk) hat Prinz Floris (A. Merbeth) erlöst / © SWR/Daniel Flaschar

Der Froschkönig (2008): Prinzessin Sophie (S. v. Krosigk) hat Prinz Floris (A. Merbeth) erlöst / © SWR/Daniel Flaschar


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In der Frage, wie der verzauberte Frosch erlöst wird, gehen die Drehbuchautorinnen Uschi Reich und Friederike Köpf zurück zu den Wurzeln der Vorlage: Prinzessin Sophie wirft den Frosch an die Wand, und er verwandelt sich in den Prinzen Floris (Alexander Merbeth). Seinen treuen Diener Heinrich (Richy Müller) freut das natürlich auch.

Film: „Der Froschkönig“ (BRD, 2008, Regie: Franziska Buch). Ist auf DVD erschienen.

Drehorte: u. a.

  • Barockresidenz Rastatt, Herrenstraße 18–20, 76437 Rastatt
  • Schloss Favorite, Am Schloss Favorite 5, 76437 Rastatt-Förch

Verwendete Literatur:


Headerfoto: Der Froschkönig hilft Prinzessin Sophie (Sidonie von Krosigk) / Foto: SWR/Daniel Flaschar