Archiv des Autors: Ron Schlesinger

Märchenhafte Drehorte: Wo der Froschkönig erlöst wird

Märchenhafte Drehorte: Wo der Froschkönig erlöst wird

Im wohl bekanntesten Tierbräutigam-Märchen erhält ein verzauberter Prinz seine menschliche Gestalt wieder. Auslöser der (Rück-)Verwandlung ist eine rabiate Prinzessin. Das sind die Drehorte der ungewöhnlichen Liebesgeschichte.

Muss die Prinzessin den Frosch nun küssen oder an die Wand werfen, um ihn vom Zauber zu erlösen? Die Brüder Grimm, die „Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich“ in ihre „Kinder- und Hausmärchen“ aufnehmen, entscheiden sich für die Anti-Tierschutz-Variante: Die jüngste Königstochter wirft den Frosch „aus allen Kräften wider die Wand“ – und als er herabfällt, ist er ein Königssohn, der „von einer bösen Hexe verwünscht worden“ war.

Verfilmt wird das Märchen bereits seit den Anfängen der Kinematografie. Und dass, obwohl es wegen seiner Kürze eine dramaturgische Herausforderung für jeden Drehbuchautor ist. So wird die Geschichte um die Königstochter, deren goldene Kugel in den Brunnen fällt und vom besagten Frosch wieder heraufgeholt wird, filmisch ganz unterschiedlich umgesetzt – und ja, auch als Pro-Tierschutz-Variante, in der ein Kuss den Froschkönig sanft entzaubert.

Drehorte für den Märchenfilm sind zumeist Schlösser sowie Garten- und Parkanlagen. Kein Wunder, bietet doch schon die Grimm’sche Vorlage typische szenische Märchenbilder als Handlungsorte an, wie den königlichen Palast („nahe bei dem Schlosse des Königs“) und die romantische Natur („und in dem Walde unter einer alten Linde war ein Brunnen“).

Pfaueninsel/Berlin: „Der Froschkönig“ (1940) im Landschaftspark

Außenaufnahmen für die erste Tonfilm-Neuproduktion von „Der Froschkönig“ entstehen 1940 auf der Pfaueninsel im südwestlichen Zipfel Berlins. Regisseur und Drehbuchautor Alf Zengerling nutzt auf dem 1,5 Kilometer langen, 500 Meter breiten und 67 Hektar großen Eiland eine schneeweiße mittelalterliche Burg im Stil der Neoromantik als märchenhafte Filmkulisse.

Der Froschkönig (1940): Das Schloss Pfaueninsel – hier im Jahr 2010 – ist ein Drehort / © Uwe Wattenberg/pixelio.de

Der Froschkönig (1940): Das Schloss Pfaueninsel – hier im Jahr 2010 – ist ein Drehort / © Uwe Wattenberg/pixelio.de


Zu Beginn des 29-minütigen Schwarzweißfilms sind außerdem Teile des ausgedehnten Landschaftsparks zu sehen. Hier sucht der Diener Heinrich (Egon Vogel) seinen Herrn, den Prinzen. Jener wurde von einer Hexe in einen Frosch verwandelt. Der „eiserne Heinrich“, der bei den Grimms erst am Ende auftritt, ist so bereits am Beginn Teil der Filmhandlung – eine neue dramaturgische Idee, auf die auch nachfolgende Adaptionen zurückgreifen werden.
Der Froschkönig (1940): Prinzessin Ilse (Helga Wasmer) bekommt ihre Kugel zurück / Quelle: SDK

Der Froschkönig (1940): Prinzessin Ilse (Helga Wasmer) bekommt ihre Kugel zurück / Quelle: SDK


In der Schlüsselfrage des NS-Märchenfilms (Küssen oder an die Wand werfen?) entscheidet sich Co-Drehbuchschreiber Waldemar Lydor weder für das Eine noch das Andere. Der Froschkönig, gespielt von dem kleinwüchsigen Schauspieler Paul Walker, wird eher zufällig von der jüngsten Prinzessin Ilse (Helga Wasmer) erlöst, als sie schreit: „Bleib mir vom Leibe, du königlicher Frosch, du Froschkönig!“ Auch das funktioniert.

Film: „Der Froschkönig“ (D, 1940, Regie/Drehbuch: Alf Zengerling). Ist noch nicht auf VHS/DVD erschienen.

Drehort: u. a. Schloss und Park Pfaueninsel, Nikolskoer Weg, 14109 Berlin

Schloss Charlottenburg/West-Berlin: „Der Froschkönig“ (1954) in Agfacolor

Hat die Pfaueninsel den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden, so wird der Drehort der 1954er-Verfilmung – Schloss Charlottenburg – in den Jahren 1943/44 weitgehend zerstört. Dennoch entscheidet die Produktionsfirma Delos-Film, dort Innen- und Außenaufnahmen für „Der Froschkönig“ zu drehen, zum Beispiel im weitläufigen Schlosspark.

Der Froschkönig (1954): Im Schlosspark Charlottenburg entstehen damals Filmszenen / © meyertobi/pixelio.de

Der Froschkönig (1954): Im Schlosspark Charlottenburg entstehen damals Filmszenen / © meyertobi/pixelio.de


Hier reitet Prinz Edelmut (Hans Kwiet) mit seinem Diener Heinrich (Franz Nicklisch) über die Schlossparkbrücke, auch hohe Brücke genannt – die zweitälteste erhaltene Stahlbrücke in Berlin. Beide sind auf dem Weg zur bösen Fürstin Than (Dorothea Wieck). Sie verwandelt den Prinzen in einen Frosch. Den Bann kann nur ein „tugendhaftes gutes Menschenkind“ lösen, wenn es den Frosch küsst.
Der Froschkönig (1954): Prinzessin (S. König) und Prinz (H. Kwiet) / © Medienproduktion/Vertrieb Genschow

Der Froschkönig (1954): Prinzessin (S. König) und Prinz (H. Kwiet) / © Medienproduktion/Vertrieb Genschow


Das findet sich in der tierlieben Prinzessin Susanne (Sieglinde König), der jüngsten Tochter des Königs (Stanislav Ledinek). Drehort für ihr Zuhause sind einige Räume im Alten Schloss, dem Kernbau von Schloss Charlottenburg. Dazu gehören zum Beispiel das Tafelzimmer, das Speisezimmer und die Kleine Galerie. Sie küsst den (echten) Frosch, und der Tierbräutigam wird in seine menschliche Gestalt zurückverwandelt.
Der Froschkönig (1954): Abschiedsszene vor dem Mausoleum im Park / © Medienproduktion/Vertrieb Genschow

Der Froschkönig (1954): Abschiedsszene vor dem Mausoleum im Park / © Medienproduktion/Vertrieb Genschow


Um die Bedeutung der Erlösung hervorzuheben, setzt Regisseur Otto Meyer dramaturgisch in dieser Szene auf den Wechsel vom Schwarzweiß- zum Farbfilm. Danach wird in der sogenannten Ahnengalerie (auch: Alte Galerie) von Schloss Charlottenburg die Hochzeit von Susanne und Edelmut gefeiert. Drehort für die Abreise des Brautpaares (in Agfacolor) ist das tempelartige Mausoleum im Park – 1810 zum Gedenken an die preußische Königin Luise errichtet.

Film: „Der Froschkönig“ (BRD, 1954, Regie: Otto Meyer). Ist auf VHS/DVD erschienen.

Drehorte: u.a.

  • Schloss Charlottenburg, Spandauer Damm 10–22, 14059 Berlin
  • Schlosspark Charlottenburg, Spandauer Damm 20–24, 14059 Berlin

Filmstudio Babelsberg/Potsdam: „Froschkönig“ (1988) als DEFA-Märchenfilm

Erst spät, Ende der 1980er-Jahre, verfilmt auch die DEFA das Märchen. Das staatliche Filmstudio der DDR setzt neue, eigenwillige Akzente. Als Prinzessin Henriette (Jana Mattukat) den Frosch an die Wand wirft, verwandelt er sich zwar in einen Prinzen (Jens-Uwe Bogadtke). Doch sie muss um seine Liebe kämpfen, ihn gewissermaßen ein zweites Mal ‚erlösen’. In seiner Behausung, hinter dem Ende der Welt, soll sie dafür drei Prüfungen bestehen …

Froschkönig (1988): Prinzessin Henriette (Jana Mattukat) mit ihrem Vater (Peter Sodann) / © Progress/Dieter Jaeger

Froschkönig (1988): Prinzessin Henriette (Jana Mattukat) mit ihrem Vater (Peter Sodann) / © Progress/Dieter Jaeger


Szenenbildner Christoph Schneider setzt auf zwei kontrastreiche Handlungsorte: einerseits ein romantisches Birkenwäldchen mit einem urigen Steinbrunnen. Dort lebt der Froschkönig. Zudem das Königsschloss, für das äußerlich eine barocke Gartenseite mit zwei prächtigen Freitreppenläufen steht. Auch die Innenräume bedienen klassische Vorstellungen, die das Märchenpublikum erwartet: dekorative Wandtapeten, edles Parkett, historisches Mobiliar.

Andererseits die „Zitadelle der Lieblosigkeit“, wo der entzauberte Prinz haust: „Labyrinthische Treppen bilden ein schier unüberwindbares Wirrwarr. Metall, dunkle Farben und eisige Kälte dominieren“ (König/Wiedemann/Wolf 1996, S. 374). Das „düstere, futuristische Design“ setzt sich gekonnt von bisherigen Märchenklischees ab. Und es unterstreicht auf der bildlichen Ebene die erzählerische Zweiteilung dieser bemerkenswerten Verfilmung.

Film: „Froschkönig“ (DDR, 1988, Regie/Drehbuch: Walter Beck). Ist auf VHS/DVD erschienen.

Drehort: u. a. VEB DEFA Studio für Spielfilme, 1502 Potsdam-Babelsberg, August-Bebel-Straße 26–53

Schloss Buchlovice/ČSFR: „Froschkönig“ (1991) als ZDF-Märchenfilm

Das Märchen vom „Froschkönig“ zählt auch zu den Vorlagen, die das ZDF seit Mitte der 1980er-Jahre in europäischen Koproduktionen neu verfilmt. Hans-Dieter Radke aus der damaligen ZDF-Redaktion „Kinder und Jugend“ will mit den TV- und Kinofilmen „große und kleine Zuschauer gleichzeitig ansprechen“ (KJK 30-2/1987). Auch deshalb entstehen für die tschechoslowakisch-deutsche Koproduktion viele Außenaufnahmen auf dem Gebiet des heutigen Tschechiens.

Froschkönig (1991): Iris Berben und Michael Degen spielen im Märchenfilm das Königspaar / © ZDF/Taurus-Film

Froschkönig (1991): Iris Berben und Michael Degen spielen im Märchenfilm das Königspaar / © ZDF/Taurus-Film

Froschkönig (1991): Die Prinzessin (Linda Rybová) trägt ausnahmsweise mal ein Kleid / © ZDF/Taurus-Film

Froschkönig (1991): Die Prinzessin (Linda Rybová) trägt ausnahmsweise mal ein Kleid / © ZDF/Taurus-Film

Der Froschkönig (1991): Der Prinz (Michal Dlouhý) hat es faustdick hinter den Ohren / © ZDF/Taurus-Film

Der Froschkönig (1991): Der Prinz (Michal Dlouhý) hat es faustdick hinter den Ohren / © ZDF/Taurus-Film


Darunter ist das dreiflügelige Barockschloss Buchlovice mit seinem weitläufigen Landschaftspark. Hier lebt die burschikose Prinzessin (Linda Rybová) mit ihren Eltern – gespielt von Iris Berben und Michael Degen. Im Unterschied zu Vorlage und anderen Verfilmungen lernt die Prinzessin den Prinzen (Michal Dlouhý) erst in seiner Menschengestalt kennen: ein arroganter Fatzke, der reihenweise Mädchenherzen bricht, aber sich nicht darum schert. Eine Fee (Nina Divíšková) verwandelt ihn deshalb in einen hässlichen Frosch …

Film: „Froschkönig“ (ČSFR/BRD, 1991, Regie: Juraj Herz). Ist auf VHS und DVD erschienen.

Drehort: u. a. Schloss Buchlovice, nám. Svobody 13, 687 08 Buchlovice, Tschechien

Schloss Favorite/Rastatt: „Der Froschkönig“ (2008) als ARD-Märchenfilm

2008 adaptiert die ARD die Grimm’sche Geschichte in ihrer Märchenfilm-Reihe „Auf einen Streich“. Und weil der Südwestrundfunk (SWR) das Märchen produziert, wird in Schlössern und Parkanlagen Baden-Württembergs gedreht. Zum Beispiel vor Barockschloss Favorite – ein Lustschlösschen, von 1710 bis 1730 erbaut.

Der Froschkönig (2008): Das Schloss Favorite ist einer der Märchenfilmdrehorte / © campomalo/pixelio.de

Der Froschkönig (2008): Das Schloss Favorite ist einer der Märchenfilmdrehorte / © campomalo/pixelio.de


Dessen Park ist von Wasserläufen und Teichen durchzogen. In einen fällt beim Spielen die goldene Kugel von Prinzessin Sophie (Sidonie von Krosigk), die sie zu ihrem 18. Geburtstag bekommen hat. Ein (computeranimierter) Frosch verspricht, die Kugel wieder heraufzuholen, zu den bekannten Bedingungen: Sie muss von nun an Speise, Trank und Bett mit ihm teilen.
Der Froschkönig (2008): Der Aufgang zur sogenannten Beletage im Residenzschloss Rastatt / © Rainer Sturm/pixelio.de

Der Froschkönig (2008): Der Aufgang zur sogenannten Beletage im Residenzschloss Rastatt / © Rainer Sturm/pixelio.de


Filmszenen entstehen aber auch vor einer anderen Barockresidenz gleich in der Nähe – Schloss Rastatt. Bei den Dreharbeiten zu „Der Froschkönig“ will Regisseurin Franziska Buch von außen durch die Fenster in die erste Etage des Schlossinneren filmen. Mit Hilfe einer aufwändigen Hebebühne gelingt das der Filmcrew auch.
Der Froschkönig (2008): Prinzessin Sophie (S. v. Krosigk) hat Prinz Floris (A. Merbeth) erlöst / © SWR/Daniel Flaschar

Der Froschkönig (2008): Prinzessin Sophie (S. v. Krosigk) hat Prinz Floris (A. Merbeth) erlöst / © SWR/Daniel Flaschar


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In der Frage, wie der verzauberte Frosch erlöst wird, gehen die Drehbuchautorinnen Uschi Reich und Friederike Köpf zurück zu den Wurzeln der Vorlage: Prinzessin Sophie wirft den Frosch an die Wand, und er verwandelt sich in den Prinzen Floris (Alexander Merbeth). Seinen treuen Diener Heinrich (Richy Müller) freut das natürlich auch.

Film: „Der Froschkönig“ (BRD, 2008, Regie: Franziska Buch). Ist auf DVD erschienen.

Drehorte: u. a.

  • Barockresidenz Rastatt, Herrenstraße 18–20, 76437 Rastatt
  • Schloss Favorite, Am Schloss Favorite 5, 76437 Rastatt-Förch

Verwendete Literatur:


Headerfoto: Der Froschkönig hilft Prinzessin Sophie (Sidonie von Krosigk) / Foto: SWR/Daniel Flaschar