Märchenhafte Drehorte: Wo der gestiefelte Kater zum Glück verhilft

Märchenhafte Drehorte: Wo der gestiefelte Kater zum Glück verhilft

Er ist der Prototyp des helfenden Tieres: der gestiefelte Kater. Gewieft setzt er sich für das Lebensglück seines Herrn ein. Doch obwohl das Märchen zu den beliebtesten gehört, ist es vergleichsweise wenig verfilmt worden. Das sind die Drehorte.

Le Maître Chat ou le Chat botté: Die Illustration zeichnete Gustave Doré / © Melchior-Verlag

Le Maître Chat ou le Chat botté: Die Illustration zeichnete Gustave Doré / © Melchior-Verlag

Als die Brüder Grimm „Der gestiefelte Kater“ im Jahr 1819 überraschend aus der Zweitauflage ihrer „Kinder- und Hausmärchen“ verbannen, wollen beide auf Nummer sicher gehen – und sich nicht dem Vorwurf des Plagiats aussetzen. Der Grund: Die Geschichte um den klugen und sprechenden Kater, der einem Müllerssohn zu Grafentitel, Land und einer Königstochter verhilft, ähnelt zu sehr dem französischen Märchen „Le Maître Chat ou le Chat botté“. Das veröffentlicht 1697 der französische Schriftsteller Charles Perrault.

Auch wenn sich Perrault mit seiner Fassung ebenso von älteren Überlieferungen der italienischen Märchensammler Giovanni Francesco Straparola und Giambattista Basile inspirieren lässt, gilt „Der gestiefelte Kater“ dennoch als Grimm’sches Märchen: Die Brüder aus Kassel nehmen es als Anhang Nummer fünf in die letzte von ihnen selbst autorisierte Ausgabe der „Kinder- und Hausmärchen“ von 1857 wieder auf. Ende gut, alles gut. In der deutschen Märchenfilmgeschichte hat der clevere Kater selbstverständlich auch seinen Platz – wenn bisher auch nur mit drei Realfilm-Adaptionen.

Der gestiefelte Kater (2009): Das Freilichtmuseum am Kiekeberg – hier das sogenannte Wagnersche Haus – ist ein Drehort / © Cekora/pixelio.de

Der gestiefelte Kater (2009): Das Freilichtmuseum am Kiekeberg – hier das sogenannte Wagnersche Haus – ist ein Drehort / © Cekora/pixelio.de

Residenzschloss/Dresden: „Der gestiefelte Kater“ (1935) in Sachsen

Als der Berliner Regisseur Alf Zengerling im Juli 1935 mit den Dreharbeiten zu „Der gestiefelte Kater“ beginnt, erhält er die Erlaubnis, für seine Aufnahmen die Elbschlösser in der Nähe von Dresden nutzen zu dürfen. Dazu zählen die Schlösser Albrechtsberg und Eckberg. Beide Anlagen – die eine im Stil des preußischen Klassizismus, die andere in der englischen Neogotik – entstanden Ende der 1850er-Jahre und wurden 1861 vollendet.

Der gestiefelte Kater (1935): Der Titelheld (Paul Walker) beim König (Hans Pokorny, M.) / Quelle: SDK

Der gestiefelte Kater (1935): Der Titelheld (Paul Walker) beim König (Hans Pokorny, M.) / Quelle: SDK


Im Märchenfilm ist Albrechtsberg das Königsschloss, während auf Schloss Eckberg ein böser Zauberer (Leo Sloman) haust – der aber vom gestiefelten Kater Murr (Paul Walker) überlistet wird. Wie die „Licht-Bild-Bühne“ berichtet, werden zudem Aufnahmen von „der ältesten Wassermühle Deutschlands […], die aus dem 13. Jahrhundert stammt“, mit der Kamera festgehalten. Es ist die Grander Mühle im Örtchen Kuddewörde in Schleswig-Holstein.
Der gestiefelte Kater (1935): Der „Lange Gang“ ist damals ein Drehort / © Rainer Buchheim/pixelio.de

Der gestiefelte Kater (1935): Der „Lange Gang“ ist damals ein Drehort / © Rainer Buchheim/pixelio.de


Dennoch entstehen die meisten Außenaufnahmen in Sachsen. So stellt das Historische Museum in Dresden dem Filmteam eine alte sächsische Staatskutsche zur Verfügung. In den Vierspänner laden der König (Hans Pokorny) und seine Tochter (Lisel de Boy) den Müllerssohn Hans als ‚Graf von Karabas’ (Eberhard Meichsner) zu einer gemeinsamen Fahrt ein. Zudem wird im Turnierhof (Stallhof) des Dresdner Residenzschlosses gedreht. Hier schreitet der gestiefelte Kater Murr im sogenannten „Langen Gang“ zur Audienz beim König.

Drehorte:

  • Dresdner Stallhof, Augustusstraße, 01067 Dresden
  • Grander Mühle, Lauenburger Straße 1, 22958 Kuddewörde
  • Schloss Albrechtsberg, Bautzner Straße 130, 01099 Dresden
  • Schloss Eckberg, Bautzner Straße 134, 01099 Dresden

Film: „Der gestiefelte Kater“ (D, 1935, Regie: Alf Zengerling). Noch nicht auf VHS/DVD erschienen.

Schloss Burg/Solingen: Mit der Seilbahn zu „Der gestiefelte Kater“ (1955)

Schloss Burg ist heute weniger als Drehort für Märchenfilme bekannt, vielmehr für seine Seilbahn, die seit 1952 das Tal der Wupper mit dem bergischen Grafenschloss nahe Solingen verbindet. Nur drei Jahre nach Einweihung der Seilbahn entstehen im Rittersaal und im Vorhof der mittelalterlichen Burganlage Szenen für die westdeutsche Adaption „Der gestiefelte Kater“ (1955). In der Regie von Herbert B. Fredersdorf spielt Margitta Sonke das sprechende Tier, das dem Müllerssohn Heinrich (Harry Wüstenhagen) mit Rat und Tat zur Seite steht.

Der gestiefelte Kater (1955): Margitta Sonke spielt das sprechende Tier in der BRD-Verfilmung / © Studiocanal

Der gestiefelte Kater (1955): Margitta Sonke spielt das sprechende Tier in der BRD-Verfilmung / © Studiocanal


Zudem wird die nahe Burg Hohenscheid im Sommer 1955 zur Filmkulisse. Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten besteht die Anlage aber nur aus einem Bergfried, der Anfang der 1960er-Jahre mit einem Anbau erweitert wird. Nach einer wechselvollen Geschichte als Nobelhotel und Heim für Asylsuchende heißt die Anlage heute Haus Hohenscheid und wird von einer Glaubensgemeinschaft genutzt. Auf einem angrenzenden Bio-Bauernhof (Gut Hohenscheid) werden Hühner und Schweine gehalten – ein gestiefelter Kater soll noch nicht gesichtet worden sein.
Der gestiefelte Kater (1955): Der damalige Drehort Schloss Burg in Solingen heute / © Benjamin Vetter/pixelio.de

Der gestiefelte Kater (1955): Der damalige Drehort Schloss Burg in Solingen heute / © Benjamin Vetter/pixelio.de


Drehorte:

  • Burg Hohenscheid, Hohenscheid 3, 42569 Solingen
  • Gut Hohenscheid – Naturland Biohof Hofladen, Hohenscheid 1, 42659 Solingen
  • Schloss Burg, Schlossplatz 2, 42659 Solingen

Film: „Der gestiefelte Kater“ (BRD, 1955, Regie: Herbert B. Fredersdorf). Auf VHS/DVD erschienen.

Schloss Güstrow: „Der gestiefelte Kater“ (2009) in Meck-Pomm

Als 2009 im Weihnachtsprogramm der ARD die Adaption „Der gestiefelte Kater“ gezeigt wird, fallen dem Zuschauer vor allem die vielen märchenhaften Drehorte auf, die für den Film ausgesucht werden: Die Außenaufnahmen der Mühle, in der Hans (Jacob Matschenz) mit Vater Hinze (Jan Fedder) und seinen Brüdern lebt, entstehen beispielsweise im Schleswig-Holsteinischen Freilichtmuseum Molfsee in der Nähe von Kiel. Szenen im Inneren der Mühle werden allerdings im Freilichtmuseum am Kiekeberg in Rosengarten-Ehestorf mit der Kamera festgehalten.

Der gestiefelte Kater (2009): In der ARD-Verfilmung spielt Roman Knizka den Titelhelden / © NDR/Nicolas Maack

Der gestiefelte Kater (2009): In der ARD-Verfilmung spielt Roman Knizka den Titelhelden / © NDR/Nicolas Maack


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Den imposanten Thronsaal des Königs (Kai Wiesinger), den der gestiefelte Kater Minkus (Roman Knizka) auch hier zur Audienz bittet, findet das Drehteam im Spiegelsaal des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg. Außenaufnahmen entstehen vor Schloss Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern. Der böse Zauberer Abaddon (Jürgen Tarrach) logiert – rein äußerlich – im heutigen Tagungshotel Schloss Tremsbüttel, das sich 40 Kilometer nordöstlich von Hamburg befindet. Die Innenaufnahmen werden im Grabauer Herrenhaus gedreht, das einem Gespensterschloss gleicht.

Der gestiefelte Kater (2009): Schloss Güstrow im Mecklenburg-Vorpommern ist ein Drehort / © Birgit Winter/pixelio.de

Der gestiefelte Kater (2009): Schloss Güstrow im Mecklenburg-Vorpommern ist ein Drehort / © Birgit Winter/pixelio.de


Drehorte:

  • Freilichtmuseum am Kiekeberg, Am Kiekeberg 1, 21224 Rosengarten-Ehestorf
  • Gut Grabau, 23843 Bad Oldesloe
  • Gut Schönau, Schlossstraße 5, 21465 Reinbek
  • Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Steintorplatz, 20099 Hamburg
  • Museum Schloss Güstrow, Franz-Parr-Platz 1, 18273 Güstrow
  • Schleswig-Holsteinischen Freilichtmuseum, Hamburger Landstraße 97, 24113 Molfsee
  • Schloss Tremsbüttel, Schlossstraße 10, 22967 Tremsbüttel

Film: „Der gestiefelte Kater“ (BRD, 2009, Regie: Christian Theede). Auf DVD erschienen.

Verwendete Quellen:

  • [o. A.]: Aus der Produktion: Der gestiefelte Kater. In: Licht-Bild-Bühne (28) 1935, Nr. 169, 22.7.1935, [o. S.].
  • [o. A.]: Märchenfilm-Produktion Alf Zengerling. In: Licht-Bild-Bühne (28) 1935, Nr. 153, 3.7.1935, [o. S.].


Headerfoto: Schloss Albrechtsberg bei Dresden ist Drehort für „Der gestiefelte Kater“ (1935) / © bildpixel/pixelio.de

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