Schneewittchen (1955): Schloss Neuschwanstein – heutige Ansicht – dient damals als Drehort / © Sabine Geißler/pixelio.de

Märchenhafte Drehorte: Wo Schneewittchen und die sieben Zwerge wohnen

„Schneewittchen“ ist bereits mehrfach verfilmt worden. Kein Wunder, bietet doch das szenisch reiche Märchen alles, was man zu einer spannenden Story braucht – inklusive Mord und Wiederauferstehung. An diesen Drehorten passierte es.

„Schneewittchen“ gehört zu den bekanntesten Märchen und ist in Varianten weltweit verbreitet. Dennoch zählt die Fassung der Brüder Grimm von 1812 zu den populärsten: Deren Geschichte erzählt von der schönen Königstochter – „so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarzhaarig wie Ebenholz“ –, deren eifersüchtige Stiefmutter dreimal versucht, sie zu töten.

Zweimal entgeht die Prinzessin, die „über den Bergen bei den sieben Zwergen“ Unterschlupf findet, dem Tod nur knapp. Ein drittes Mal gelingt das nicht. Ein vergifteter Apfelschnitz bleibt dem Mädchen im Hals stecken – bis sich durch einen glücklichen Zufall alles zum Guten wendet.

Märchen und Wirklichkeit: Wo lebte Schneewittchen?

Obwohl sich die Grimm’schen Märchen meist nicht lokalisieren lassen, wird hin und wieder versucht, das Gegenteil zu beweisen: auch im Fall von „Schneewittchen“. Gab es die Märchenfigur wirklich, und wenn ja, wo ist das Drama um die Prinzessin passiert?

Einmal soll das historische Vorbild im unterfränkischen Lohr am Main, ein anderes Mal im hessischen Bad Wildungen gelebt haben. Auch an der Deutschen Märchenstraße in Gieselwerder nahe Kassel wird Schneewittchen verortet. Und hinter den Sieben Bergen – ein Höhenzug im niedersächsischen Landkreis Hildesheim – sollen die sieben Zwerge zu Hause gewesen sein.

Diese mehr oder weniger touristisch motivierten Spekulationen decken sich im Übrigen nicht mit den tatsächlichen Drehorten, an denen deutsche Märchenfilme über Schneewittchen und die sieben Zwerge entstanden sind. Denn: Das Märchen zählt – neben „Dornröschen“ oder „Hänsel und Gretel“ – zu den meistverfilmten in Deutschland.

Bergwerk Rüdersdorf/Berlin: „Schneewittchen“ (1928) im Museumspark

Als Ende der 1920er-Jahre Regisseur Alf Zengerling den Märchenfilm „Schneewittchen“ drehen will, soll er monatelang auf der Suche nach kleinwüchsigen Männern gewesen sein: „[n]ur mit größter Mühe waren ‚die sieben Zwerge’ […] aufzutreiben, trotz Nachfrage in Filmbörsen, im Zirkus und bei den Varietés“, vermeldet damals die Zeitung „Bildwart“ augenzwinkernd.

Dass es klappte, beweist die Premiere des Stummfilms „Schneewittchen“ an Weihnachten 1928. Die sieben Zwerge werden „von einer Liliputanertruppe echt und doch märchenwirksam zur Darstellung gebracht“, schreibt die Kritik – heute politisch nicht mehr korrekt. Doch die Szenen, in denen die Zwerge im Bergwerk nach Erz suchen, werden detailgetreu ins Bild gesetzt.

Schneewittchen (1928): Das Bergwerk Rüdersdorf – hier die heutige Ansicht der Alten Kalkbrennerei – dient damals als Drehort / © christiaaane/pixelio.de

Schneewittchen (1928): Das Bergwerk Rüdersdorf – hier die heutige Ansicht der Alten Kalkbrennerei – dient damals als Drehort / © christiaaane/pixelio.de


Drehort ist die Gemeinde Rüdersdorf bei Berlin. Dort wurde bereits seit dem 13. Jahrhundert in großen Bergwerken Kalkstein abgebaut – die passende Filmkulisse für die hämmernden sieben Zwerge, auch wenn sie dort kein Gold finden und nicht die ersten Filmdarsteller sind.

Schon in den Anfangszeiten des Stummfilms entdecken Regisseure die Rüdersdorfer Kalksteinbrüche als romantisch-historischen Drehort für Außenaufnahmen, darunter Ernst Lubitsch und Joe May. „Schneewittchen“ entsteht 1928 aber nicht ausschließlich in Rüdersdorf. Szenen im Innern des Zwergenhauses zeigen, dass auch Atelieraufnahmen notwendig sind. Heute erinnert in Rüdersdorf ein großes Freilicht-Industriemuseum an die Geschichte des Ortes.

Film: „Schneewittchen“ (D, 1928, Regie: Alf Zengerling). Noch nicht auf VHS/DVD erschienen.

Drehort: u. a. Bergwerk Rüdersdorf, heute: Museumspark, Heinitzstraße 41, 15562 Rüdersdorf

Filmstudio/Berlin: „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ (1939) als Tonfilm

Die erste deutsche Tonfilmproduktion des Märchens wird dagegen nicht an Außenschauplätzen, sondern im Atelier gedreht. Zugleich entsteht sie im Schatten einer ganz besonderen „Schneewittchen“-Verfilmung, die 1937 zum weltweiten Kassenschlager wird: Walt Disneys farbiger US-Zeichentrickfilm „Snow White and the Seven Dwarfs“. Allerdings mit Ausnahme des „Dritten Reichs“, hier kommt der Film nicht in die Kinos.

Schneewittchen und die sieben Zwerge (1939): Das Schloss ist auf Leinwand gemalt. Flocken fallen vom Studiohimmel.

Schneewittchen und die sieben Zwerge (1939): Das Schloss ist auf Leinwand gemalt. Flocken fallen vom Studiohimmel.


Was auch der Grund ist, weshalb 1939 ein eigener deutscher „Schneewittchen“-Film produziert wird – mit Schauspielern statt Zeichentrickfiguren und in Schwarz-weiß statt in Farbe. Im Studio werden dafür das prächtige Schloss der bösen Königin (Elisabeth Wendt), die aufgeräumte Hütte der sieben Zwerge und das Bergwerk als ihr Arbeitsort nachgebaut.
Schneewittchen und die sieben Zwerge (1939): Die Königin schaut in den Flockenwirbel und sticht sich in den Finger.

Schneewittchen und die sieben Zwerge (1939): Die Königin schaut in den Flockenwirbel und sticht sich in den Finger.


Verantwortlich dafür sind die Filmarchitekten Max Klinnert, Gabriel Pellon und Hans Strohbach. Sie geben dem Märchenfilm die fantasievolle Ausstattung und Dekoration. Dabei sind alle drei erfahrene Profis: Pellon stattete schon Max Ophüls „Liebelei“ (D 1933) aus, Strohbach ist später am Musikfilm „Falstaff in Wien“ (D 1940) und Klinnert für die Bauten in „Der Erbförster“ (D 1944) beteiligt. Das Niveau des Disney-Zeichentrickfilms erreichen sie mit ihren Ideen dennoch nicht.
Schneewittchen und die sieben Zwerge (1939): Spitzbögen und Säulen dominieren das Innere des Studioschlosses.

Schneewittchen und die sieben Zwerge (1939): Spitzbögen und Säulen dominieren das Innere des Studioschlosses.

Film: „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ (D, 1939, Regie: Carl Heinz Wolff). Noch nicht auf VHS/DVD erschienen.

Drehort: Es ist vermutlich das Tobis-Lignose-Atelier (vormals: Rex-Atelier) in Berlin-Wedding, Sellerstraße 35/Ecke Müllerstraße 182–183.

Schloss Neuschwanstein/Allgäu: Dreherlaubnis für „Schneewittchen“ (1955)

Der bayrische König Ludwig II. (1845–1886) wäre wohl entzückt gewesen, wenn er geahnt hätte, dass sein Neuschwanstein einmal Karriere in einem Märchenfilm macht. Das Schloss, das er ab 1869 im Stil einer Ritterburg aus dem Mittelalter errichten ließ, wird im Sommer 1955 zur märchenhaften Filmkulisse im westdeutschen „Schneewittchen“.

Schneewittchen (1955): Einer der zwei Treppentürme (vorn) dient damals als Drehort / © Sabine Geißler/pixelio.de

Schneewittchen (1955): Einer der zwei Treppentürme (vorn) dient damals als Drehort / © Sabine Geißler/pixelio.de


Die fantastische Architektur Neuschwansteins, das sich bei Füssen im südlichen Bayern befindet, nutzt Regisseur Erich Kobler bereits in den Anfangsszenen: So ist einer der zwei Treppentürme des Torhauses zu erkennen, auf denen Türmer auf Fanfaren blasen. Diese Aufnahme wird mit der Kamera vom angrenzenden Viereckturm aus der Vogelperspektive aufgenommen.
Schneewittchen und die sieben Zwerge (1955): Die damals 16-jährige Elke Arendt spielt die Titelfigur / © Schongerfilm

Schneewittchen und die sieben Zwerge (1955): Die damals 16-jährige Elke Arendt spielt die Titelfigur / © Schongerfilm


Die Fanfaren künden im Film von der Geburt Schneewittchens (Elke Arendt), das 18 Jahre später sein Zuhause – Schloss Neuschwanstein – auf Befehl der bösen Königin (Addi Adametz) verlassen muss. Auch im größten Raum des Schlosses, im 27 mal zehn Meter messenden Sängersaal, erhält die Filmcrew Dreherlaubnis. Wer schon einmal in Neuschwanstein war, wird den Saal an den Gemälden erkennen, die – entsprechend dem Namen – Motive aus der mittelalterlichen Ritterkultur und Sagenwelt darstellen.
Schneewittchen (1955): Der Sängersaal wird im Jahr 2019 aufwändig restauriert / © Hauptzollamt Augsburg

Schneewittchen (1955): Der Sängersaal wird im Jahr 2019 aufwändig restauriert / © Hauptzollamt Augsburg


Neben Schneewittchen spielt auch Ludwig II. eine Hauptrolle auf Schloss Neuschwanstein. Gemeint sind hier nicht die wenigen Wochen, die er dort bis zu seinem Tod im Juni 1886 verbrachte, sondern zwei Filme über sein Leben aus den Jahren 1955 und 1972 – letzterer mit Helmut Berger in der Hauptrolle.

Film: „Schneewittchen“ (BRD, 1955, Regie: Erich Kobler). Auf VHS/DVD erschienen.

Drehort: u. a. Schloss Neuschwanstein, Neuschwansteinstraße 20, 87645 Schwangau

West-Berlin: Im ARD-Fernsehprogramm startet „Schneewittchen“ (1959)

DVD-Cover / © Icestorm

DVD-Cover / © Icestorm

Als am 1. Oktober 1957 ein neues Jugendschutzgesetz in Kraft tritt, das Kindern unter sechs Jahren den Kinobesuch – auch mit Eltern – verbietet, bricht die Märchenfilmproduktion in Westdeutschland zusammen: Die Kernzielgruppe darf nicht mehr ins Kino. Die meisten Ränge in den Filmtheatern bleiben bei Märchenfilmen nun leer. Gleichzeitig verstärkt das noch junge Medium Fernsehen sein Kinderprogramm – auch mit Märchen.

Kinofilm-Produzent Fritz Genschow, den das neue Gesetz hart trifft, stellt deshalb von 1959 bis 1963 zumeist zweiteilige Märchenfilme für den Westdeutschen Rundfunk (WDR) her, darunter „Schneewittchen“. Der in Schwarz-weiß gedrehte, 90-minütige und eher betulich inszenierte Fernsehfilm wird vornehmlich an Außenschauplätzen produziert, vermutlich in den drei West-Berliner Sektoren. Die Rolle der bösen Königin spielt Gisela Reißmann: Diesen Part spricht sie auch in einer deutschen Synchronfassung vom Disney-Klassiker „Snow White“.

Film: „Schneewittchen“ (BRD, 1959, Regie Fritz Genschow). Ist auf DVD erschienen.

Drehort: Es ist vermulich West-Berlin (Außen- und Innenaufnahmen).

Filmstudio/Potsdam-Babelsberg: „Schneewittchen“ (1961) im DEFA-Atelier

Wie die NS-Verfilmung von 1939 entsteht auch das ostdeutsche „Schneewittchen“ von 1961 nur im Atelier: Es ist der volkseigene Betrieb DEFA Studio für Spielfilme in Potsdam-Babelsberg. Zudem fallen am Beginn ein paar bildliche Gemeinsamkeiten ins Auge – allerdings mit anderen Botschaften. Kündigen die Turmbläser im nationalsozialistischen Märchenfilm die Mobilmachung für einen Krieg an, so melden sie in der DDR-Adaption nur, dass ein Nachbar-König (Wolf-Dieter Panse) vorbeikommt, indes in friedlicher Absicht.

Dennoch verbleibt der DEFA-Märchenfilm, so beliebt er bis heute ist, in konventionellen Grenzen, der auch seine Nähe zum Disney-Klassiker gar nicht verleugnet. Zum Beispiel wenn am Anfang ein altes Märchenbuch mit antikem Ledereinband und vergoldeten Metallecken aufgeschlagen wird, in dem auf der ersten Seite „Schneewittchen“ zu lesen ist. Diesen Einstieg in die Geschichte nutzt schon Disney.

Schneewittchen (1961): Auch die Kostüme orientieren sich am 14. bzw. 15. Jahrhundert / © Progress/Karin Blasig

Schneewittchen (1961): Auch die Kostüme orientieren sich am 14. bzw. 15. Jahrhundert / © Progress/Karin Blasig


Szenenbildner Hans Poppe schafft es trotzdem, dass die Studioproduktion mit ihren Bauten stimmig wirkt. Er verlegt das Setting des Märchenfilms ins 14./15. Jahrhundert – in den Übergang von Spätgotik zur Renaissance. Ein Beispiel: Im Schloss der bösen Königin (Marianne Christina Schilling) finden sich schlanke Fenster mit Spitzbogen und sogenannten historischen Butzenscheiben, die tatsächlich mittels Bleifassung erst im 15. Jahrhundert zu ganzen Fenstern zusammengesetzt wurden.

Film: „Schneewittchen“ (DDR, 1961, Regie: Gottfried Kolditz). Ist auf VHS/DVD erschienen.

Drehort: VEB DEFA Studio für Spielfilme, 1502 Potsdam-Babelsberg, August-Bebel-Straße 26–53

ČSFR: „Schneewittchen und das Geheimnis der Zwerge“ (1992)

Das ZDF-Märchen „Schneewittchen und das Geheimnis der Zwerge“ gehört zu den Filmen, die der deutsche TV-Sender seit den 1980er-Jahren in europäischen Koproduktionen aufwändig adaptiert: zum Beispiel mit bekannten Schauspielern wie Dietmar Schönherr (König), Gudrun Landgrebe (Stiefmutter) und Václav Kotva (Lehrer Münch), den Zuschauer bereits aus „Die Märchenbraut“ (ČSSR/BRD 1979) kennen.

Schneewittchen und das Geheimnis der Zwerge (1992): Diese Burg ist einer der Drehorte / Quelle: KSM GmbH

Schneewittchen und das Geheimnis der Zwerge (1992): Diese Burg ist einer der Drehorte / Quelle: KSM GmbH


Die Drehorte für den Film, der – wie der Titel verrät – die Zwerge mehr in den Mittelpunkt rückt, befinden sich ausschließlich in der damaligen Tschechischen und Slowakischen Föderativen Republik, kurz: ČSFR. Die Filmkritikerin Gudrun Lukasz-Aden schreibt, dass der Märchenfilm „durchaus seinen Reiz in der Kombination von alt und neu“ hat. Das gilt gerade auch für Ausstattung (Jiří Hlupý) und Requisite (Miroslav Dvořák).
Schneewittchen und das Geheimnis der Zwerge (1992): Der 27-jährige Alessandro Gassmann spielt gleich drei Rollen, darunter den Prinzen. 1997 ist er der Hauptdarsteller im queeren Kultfilm "Hamam – Das türkische Bad"/ © Atlasfilm

Schneewittchen und das Geheimnis der Zwerge (1992): Der 27-jährige Alessandro Gassmann spielt gleich drei Rollen, darunter den Prinzen. 1997 ist er der Hauptdarsteller im queeren Kultfilm „Hamam – Das türkische Bad“ / © Atlasfilm


Werden einerseits historische Burgen und Schlösser ins Bild gerückt, so modern sind andererseits manch Requisiten wie schillernde Wasserbetten – in denen die sieben Zwerge schlafen – oder ihr Arbeitsumfeld: eine futuristisch wirkende Feinmechaniker-Werkstatt. Hier formen die kleinwüchsigen Männer menschliche Gestalten mit beweglichen Gelenken.

Film: „Schneewittchen und das Geheimnis der Zwerge“ (D/ČSFR, 1992, Regie: Ludvik Ráza). Ist auf VHS/DVD erschienen.

Drehort: ČSFR

Burg Kriebstein/Waldheim: Das sächsische „Schneewittchen“ (2009)

Im ARD-Weihnachtsprogramm von 2009 zeigt das Erste acht Adaptionen von Grimm’schen Märchen, darunter auch „Schneewittchen“. Entstanden ist der Film unter anderem auf der sächsischen Burg Kriebstein, einem mittelalterlichen Adelssitz, der seit über 600 Jahren über dem Flüsschen Zschopau thront. Die Burg ist das filmische Zuhause von Schneewittchen (Laura Berlin) und seinem Vater (Jaecki Schwarz).

Schneewittchen (2009): Die Burg Kriebstein – hier im Jahr 2008 – dient als Schloss / © Dietmar Grummt/pixelio.de

Schneewittchen (2009): Die Burg Kriebstein – hier im Jahr 2008 – dient als Schloss / © Dietmar Grummt/pixelio.de


Bis 1945 trägt die Anlage stolz das Prädikat „Schönste Ritterburg Sachsens“. Auch heute gilt Kriebstein als Burg der Superlative: Zu ihr geht es auf der steilsten Straße Sachsens (25 Prozent Steigung), die auch die böse Königin (Sonja Kirchberger) nehmen muss, als ihre Kutsche im Film durch das Burgtor in den Hof fährt.
Schneewittchen (2009): Die damals 19-jährige Laura Berlin als Titelfigur wird umringt / © BR/Andreas Wünschirs

Schneewittchen (2009): Die damals 19-jährige Laura Berlin als Titelfigur wird umringt / © BR/Andreas Wünschirs


Werden alle Außenaufnahmen, die den Königshof zeigen, auf Kriebstein gedreht, so entstehen Szenen in Innenräumen auf Schloss Rochlitz. Beispielsweise in einem der zwei Verliese der mittelalterlichen Anlage, in dem der loyale Hofjäger (Martin Brambach) von der Stiefmutter eingekerkert wird. Auch das königliche Gemach der bösen Königin, in dem sie ihren Zauberspiegel befragt, befindet sich auf Schloss Rochlitz.
Schneewittchen (2009): Das Gemach wird ins Schloss Rochlitz – hier von 2010 – verlegt / © Peter Heinrich/pixelio.de

Schneewittchen (2009): Das Gemach wird ins Schloss Rochlitz – hier von 2010 – verlegt / © Peter Heinrich/pixelio.de


Für alle Aufnahmen, die Szenen im Thronsaal zeigen, zieht das Filmteam allerdings in den Harz: Das geistliche Klausurgebäude des Klosters Ilsenburg wird kurzerhand zur weltlichen Filmkulisse in „Schneewittchen“. Und: Das Bergwerk der sieben Zwerge ist stilecht in die Rübelander Baumannshöhle verlegt.

Film: „Schneewittchen“ (D, 2009, Regie: Thomas Freudner). Auf DVD erschienen.

Drehorte:

  • Baumannshöhle, Blankenburger Straße 36, 38889 Rübeland OT Elbingerode
  • Burg Kriebstein, 09648 Kriebstein
  • Kloster Ilsenburg, Schlossstraße 26, 38871 Ilsenburg
  • Schloss Rochlitz, Sörnziger Weg 1, 09306 Rochlitz

Pernštejn/Tschechien: „Schneewittchen und der Zauber der Zwerge“ (2019)

Mehr als 25 Jahre nach dem letzten ZDF-„Schneewittchen“, verfilmt der TV-Sender das Märchen im Jahr 2018 erneut. Und auch diesmal spielen die sieben Zwerge – wie schon 1992 – eine größere Rolle. Andererseits zeigt gerade diese zweite Verfilmung, wie sich Filmästhetik, Figurenzeichnungen oder technische Möglichkeiten (Stichwort: Computeranimation) verändert haben.

Schneewittchen und der Zauber der Zwerge (2019): Die Prinzessin (Tijan Marei) auf der Flucht / © ZDF/Conny Klein

Schneewittchen und der Zauber der Zwerge (2019): Die Prinzessin (Tijan Marei) auf der Flucht / © ZDF/Conny Klein


Freilich haben internationale Produktionen wie „Spieglein Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen“ und „Snow White and the Huntsman“ (beide: USA 2012) auch dem deutschen Märchengenre einen Schub gegeben. Ganz zu schweigen von Fantasy-Serien wie „Game of Thrones“ (2011–2019).
Schneewittchen und der Zauber der Zwerge (2019): Regieren statt beten – Thronsaal statt Kapelle / © ZDF/Conny Klein

Schneewittchen und der Zauber der Zwerge (2019): Regieren statt beten – Thronsaal statt Kapelle / © ZDF/Conny Klein


Gleichgeblieben ist aber, wie schon 1992, die Wahl der märchenhaft entrückt wirkenden Drehorte, die die Filmcrew ausschließlich in Tschechien fand. So residieren auf der imposanten Burg Pernštejn die böse Königin (Nadeshda Brennicke) und ihr verschlagener Bruder Gilig (Victor Schefé), der Schneewittchen (Tijan Marei) töten will.
Schneewittchen und der Zauber der Zwerge (2019): Die Zwerge leben in der Höhle Pusté Kostely / © ZDF/Conny Klein

Schneewittchen und der Zauber der Zwerge (2019): Die Zwerge leben in der Höhle Pusté Kostely / © ZDF/Conny Klein


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Zum Glück findet es in der Höhle Pusté kostely – ein ausgedehnter, im Sandstein abgebauter Raum mit bizarren Säulen – Unterschlupf bei den Zwergen. Der Innenraum der Corpus-Christi-Kapelle in der tschechischen Stadt Kutná Hora ist wiederum der weltliche Thronsaal, in dem die Königin mit harter Hand regiert – und in dem sie am Ende alles verliert.

Film: „Schneewittchen und der Zauber der Zwerge“ (D, 2019, Regie: Ngo The Chau). Soll 2020 auf DVD erscheinen.

Drehorte:

  • Corpus Christi Kapelle, Barborská 679, 284 01 Kutná Hora, Tschechien
  • Hrad Pernštejn (deutsch: Burg Pernstein), 592 62 Nedvědice, Tschechien
  • Hrad Točník (deutsch: Burg Totschnik), Točník 1, 267 51 Zdice, Tschechien
  • Hrad Valečov (deutsch: Felsenburg), 295 01 Boseň, Tschechien
  • Prachovské skály (deutsch: Prachauer Felsen), K. Vika 308, Nové Město, 506 01 Jičín, Tschechien
  • Pusté kostely (deutsch: Höhle Wüste Kirche), 471 58 Cvikov, Tschechien

Verwendete Quellen:

  • Brüder Grimm: S[ch]neewittchen. In: Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand mit den Originalanmerkungen der Brüder Grimm. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen und Herkunftsnachweisen hrsg. von Heinz Rölleke. Stuttgart, 1980, Bd. 1, S. 269–278.
  • Deutsche Märchenstraße: Hier sind die Märchen „Der gestiefelte Kater“ und „Schneewittchen“ zu Hause.
  • Hoehne, Kirsten/Moroni, Claudia: Märchen & Sagen. Teil 1: Schneewittchen und der Mord in Brüssel. Dokumentation, 45 Minuten.
  • Krüger: Filmschau. Drei neue Märchenfilme. In: Bildwart 7 (1929), H. 5, S. 277–281.
  • Lukasz-Aden, Gudrun: Schneewittchen und das Geheimnis der Zwerge (1992). In: Kinder- und Jugendfilm-Korrespondenz, Nr. 52–4/1992.
  • Nack, Erwin Wolfgang: Das Bildspiel. Kulturprobleme um den Märchenfilm. In: Bildwart 8 (1930), H. 12, S. 447–455.
  • Shojaei Kawan, Christine: Schneewittchen. In: Enzyklopädie des Märchens. Handwörterbuch zur historischen und vergleichenden Erzählforschung. Begründet von Kurt Ranke. Hrsg. von Rolf Wilhelm Brednich zusammen mit Hermann Bausinger, Wolfgang Brückner, Helge Gerndt, Lutz Röhrich und Klaus Roth. Bd. 12. New York/Berlin, 2007, Sp. 129–140.
  • Stadt Lohr am Main: Märchen und Realität.


Headerfoto: Schloss Neuschwanstein – heutige Ansicht – dient als Drehort für „Schneewittchen“ (1955) / © Sabine Geißler/pixelio.de

Dieser Beitrag wurde am 2. Mai 2020 aktualisiert.

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