Die goldene Gans 2013

Märchenhafte Drehorte: Wo die goldene Gans die Prinzessin zum Lachen bringt

Märchenfilme über eine Gans mit goldenen Federn – und die Abenteuer, die ein junger Mann mit ihr erlebt – entstanden bisher auf Burg Trausnitz im bayrischen Landshut, in den DEFA-Filmstudios in Potsdam-Babelsberg und für eine ZDF-Produktion in Thüringen auf Schloss Burgk und in den Wäldern um die Stadt Tambach-Dietharz.

Die goldene Gans (Illustration, 1905) / Wikipedia.de

Die goldene Gans (Illustration, um 1905)

Geld macht nicht glücklich. Gold schon. Noch besser: eine goldene Gans. Über die lacht eine traurige Königstochter, weil an den Federn des wunderlichen Vogels viele Neugierige, wie drei habgierige Wirtshaustöchter, Pfarrer, Küster und Bauern, kleben bleiben – und ein komisches Bild abliefern. Ein Dummling, dem die goldene Gans gehört, darf die Königstochter heiraten – weil er sie zum Lachen gebracht hat. Dabei steckt im Grimmschen Märchen „Die goldene Gans“, das bereits in der Erstauflage 1812 der „Kinder- und Hausmärchen“ erscheint, viel mehr.

Das zeigt vor allem auch der Original-Titel des Märchens: „Von dem Dummling“. Es geht um einen jungen Burschen, der sich nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens befindet: Verachtet und verspottet wird er und „bei jeder Gelegenheit zurückgesetzt“ (Grimm). Dabei hat der Kerl das Herz auf dem richtigen Fleck – und ist zudem nicht auf den Kopf gefallen. Er braucht halt nur ein bisschen Glück. So stellt ihm das Märchen einen übernatürlichen Helfer – ein altes graues Männchen – zur Seite, mit dessen Hilfe er die goldene Gans findet.

Burg Trausnitz in Landshut: Dreharbeiten vor dem Brand von 1961

Burg Trausnitz / Foto: Oliver Essmann / Pixelio.de

Burg Trausnitz / Foto: Oliver Essmann / Pixelio.de

Erstmals verfilmt wird das Märchen 1953 in West-Deutschland. Die mittelalterliche Burg Trausnitz im bayrischen Landshut wird zum Schloss der Prinzessin (Ina Peters), die nicht lachen kann. Das möchten – neben vielen anderen Freiern – auch die drei Brüder Siebenmalgescheit (Hans Clarin), Hochhinaus (Wilmut Borell) und der „dumme“ Hans (Klaus Havenstein) ändern. Am Ende schafft es Hans mit Hilfe der sprechenden goldenen Gans, die schon die Mimi in Francesco Stefanis Märchenfilm „Zwerg Nase“ (BRD 1952) spielt.

Als die Außenaufnahmen für „Die goldene Gans“ entstehen, ahnt das Filmteam noch nicht, dass wenige Jahre später – im Oktober 1961 – Teile der Burg Trausnitz bei einem Brand zerstört werden. Das Innere des sogenannten Fürstenbaus stürzt dabei ein. Bis in die späten 1970er-Jahre dauert der Wiederaufbau. Heute erinnert glücklicherweise fast nichts mehr an diese Katastrophe. Und auch Märchen der Brüder Grimm stehen wieder auf dem Programm: als Stehpuppenspiel „Dornröschen“ am 19. September 2014 ab 16 Uhr im Torbau-Gewölbe.

Drehorte:

  • Burg Trausnitz 168, 84036 Landshut
  • Atelier Inning am Ammersee, 82266 Inning

Film: „Die goldene Gans“ (1953, R: Walter Oehmichen, BRD). Ist noch nicht auf DVD erschienen.

DEFA-Studio in Potsdam-Babelsberg: „Die goldene Gans“ in Farbe

Eingangstor zum Filmstudio Potsdam-Babelsberg / Foto: Studio Babelsberg AG

Eingangstor zum Filmstudio Potsdam-Babelsberg / Foto: Studio Babelsberg AG

Im Gegensatz zur Schwarzweiß-Verfilmung von 1953 entsteht die erste und einzige DDR-Adaption nur im Studio – was dem DEFA-Farbfilm aber nichts von seinem Charme nimmt: Tolle Darsteller, eine eingängige Titelmusik und neue erzählerische Ideen sorgen für bestes Märchenfilm-Kino. Zwar bringt auch hier der „Dümmling“ Klaus (Kaspar Eichel) die Prinzessin (Karin Ugowski) zum Lachen – und nicht etwa seine Brüder Kunz (Uwe-Detlev Jessen) und Franz (Peter Dommisch) –, doch muss der Held weitere Aufgaben bestehen.

Nicht nur weil der König (Heinz Scholz) partout keinen einfachen Kerl als Schwiegersohn haben möchte, sondern weil Prinz Störenfried (Gerhard Rachold) und seine Kumpanen das Land unsicher machen. Gewiss, die Anti-Monarchie-Tendenz des DDR-Märchenfilms (wortbrüchiger König, tölpelhafter Prinz) ist auch hier greifbar. Gut ist aber, dass Klaus‘ Klugheit – und nicht seine Muskelstärke oder gar Waffen – den Prinz in die Flucht schlagen. Das muss auch der König einsehen und willigt ein, dass Klaus seine Tochter heiratet.

Drehort: Filmstudios Potsdam-Babelsberg, Havelchaussee 161, 14055 Berlin
Film: „Die goldene Gans“ (1964, R: Siegfried Hartmann, DDR). Ist auf VHS und DVD erschienen.

Schloss Burgk a. d. Saale: ZDF dreht Märchenfilm in Thüringen

Schloss Burgk / Foto: Marco Barnebeck / Pixelio.de

Schloss Burgk / Foto: Marco Barnebeck / Pixelio.de

Als das ZDF im Sommer 2013 für eine Neuverfilmung von „Die goldene Gans“ nach einem Königsschloss sucht, entscheiden sich die Produzenten für Schloss Burgk – eine erstmals im 14. Jahrhundert urkundlich erwähnte Anlage, die perfekt in das Setting des Märchenfilms passt: die Renaissance. Darin leben der melancholische König Eduard (Ingo Naujoks), seine strenge Schwester Edeltraud (Ulrike Krumbiegel) – und die traurige Prinzessin Luise (Jella Haase), die auch ein Lächelmeister (Marc Bischoff) nicht aufheitern kann.

Bis zu dem Tag, als Till (Jeremy Mockridge), der Dummling, im Innenhof von Schloss Burgk mit einer goldenen Gans nebst einer an ihr festklebenden Menschenschlange die Prinzessin zum Lachen bringt. Drehbuchschreiber Anja Kömmerling und Thomas Brinx lassen ihn zuvor viele Abenteuer bestehen, die am Nordhang des Thüringer Waldes – um Tambach-Dietharz – gedreht werden. Hier machen ein Räubervater (Thorsten Merten) und sein Sohn die Gegend unsicher. Das erfährt nicht nur Till am eigenen Leib …

Drehorte:

Film: „Die goldene Gans“ (2013, R: Carsten Fiebeler, BRD). Noch nicht auf DVD erschienen.

Headerfoto: ZDF/Katharina Simmet

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2 Gedanken zu „Märchenhafte Drehorte: Wo die goldene Gans die Prinzessin zum Lachen bringt

    1. Experte Beitragsautor

      Hallo, ja, du hast Recht. Sorry. In der ZDF-Reihe „Märchenperlen“ ist zuletzt die DVD „Die sechs Schwäne“ von 2012 erschienen. Ich war mir sicher, dass „Die goldene Gans“ (2013) auch schon auf DVD veröffentlicht ist. Ich frage mal beim ZDF nach und melde mich dann noch einmal. Gruß, Ron Schlesinger

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